02 Jul

Weggabelung (NaBloPoMo#2)

Wann musstest du in der Vergangenheit eine wichtige Entscheidung treffen? Mach dir Gedanken über das andere Leben, was sich daraus hätte ergeben können.

Ganz ehrlich:  Ich hasse Entscheidungen.
Meine ausgeprägte Neigung zum Grübeln sorgt dafür, dass ich gern ALLE Eventualitäten abgeklärt hätte, bevor ich mich für etwas entscheide.  Wirklich ALLE.
Dabei ist es dann aber so, dass sie alle – also die Eventualitäten – gleichzeitig in meinem Kopf herumschwirren und mich anbrüllen, sodass logisches Denken ziemlich schwierig wird. Ich versuche, mit Listen dagegenzuarbeiten, aber es ist nun einmal leider so, dass es vollkommen unmöglich ist, wirklich ALLE Sachen, die möglicherweise durch eine Entscheidung beeinflusst geschehen könnten, durchzudenken. Das weiß ich auch, ändert aber nichts.

Bei den meisten Entscheidungen war es dann in der Vergangenheit so, dass ich so lange gegrübelt habe, bis ich vollkommen verwirrt war. Dann habe ich versucht, mir vorzustellen, wie mein Leben wäre, wenn… und dann wurde mir irgendwie klar, dass sich etwas in mir (Bauchgefühl oder so) gegen alle Varianten außer einer sträubt – die wurde es dann und im Nachhinein war das auch immer gut so.
Jetzt liegt natürlich der Gedanke nahe, dass ich mir dieses ganze Chaos und das Grübeln und die brüllenden Eventualitäten in meinem Schädel sparen könnte, wenn ich gleich auf meinen Bauch hörte – aber das funktioniert wohl nicht.
Ich glaube, all das ist nötig, damit mein Bauchgefühl letztendlich die Richtung kennt oder so… vielleicht nährt es sich aus dem Grübeln und ist sich erst danach wirklich sicher.

Bei einer Entscheidung allerdings war es anders. Gründlich anders.
Das Kind.
Schon seit einer Weile dachten wir darüber nach, dass es ja schon nett wäre, eine Familie zu gründen. Aber zuerst zu Ende studieren, dann etwas arbeiten, Geld verdienen, ein Zuhause schaffen und irgendwann dann, in ein paar Jahren, wäre der richtige Zeitpunkt. Wie man es eben so macht, eins nach dem anderen.
Dann allerdings geschah ein schrecklicher Unfall, der meinen Schwager das Leben kostete. Plötzlich saßen wir da, die ganze (Rest-)Familie in einem Haus, hilflos, verständnislos trauernd. Hielten uns aneinander fest, für eine Weile stand die Welt um uns herum still.

Dann, irgendwann, nach einiger ganzen Weile, kam langsam das Leben zurück und damit die Erkenntnis: Es könnte ja sein, dass dieses Irgendwann gar nicht eintritt. Es könnte irgendwann auch mal zu spät sein – und dann?
Warum nicht das, was man gern möchte, tun – wenn es auch nicht die “richtige” Reihenfolge ist, in der “man normalerweise” diese Dinge tut? Warum verkrampft planen und denken und überlegen – und sich dabei selbst im Weg stehen?
An diesem einen Punkt haben wir also mal weniger geplant und die Dinge mehr auf uns zukommen lassen, kein Grübeln, keine brüllenden Eventualitäten.

Jemand hat mal zu mir  gesagt, dass es überstürzt war, so zu handeln, aber wenn ich mir meinen wunderbaren Sohn anschaue, der nicht nur den (zweiten) Vornamen, sondern auch den wahnsinnigen Sturkopf von seinem Onkel hat, finde ich das nicht.
Es war genau richtig so.


Dieser Text entstand im Rahmen des NaBloPoMo – des National Blog Posting Month.
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