10 Nov

Vicy

Noch nie ist mir ein Artikel so schwer gefallen… es war auch noch nie einer so persönlich.

Wenn man einen alten Hund hat, weiß man, dass dieser Tag einmal kommt… wenn es dann so weit ist, kommt es trotzdem unerwartet.

Vicy war über 14 Jahre an meiner Seite, in glücklichen Zeiten und auch in schweren – mehr als mein halbes Leben.
Ich war 13, als ich sie bekam und dieses kleine Fellbündel war so winzig, dass sie aufrecht unter meinem Bett herumlaufen konnte. Von Anfang an war ihre Zunge ein kleines Stückchen zu lang für ihr Maul und guckte ein wenig heraus.
Sie hat so vieles miterlebt, sie ist mit uns Schwalbe gefahren, hat mein Abitur mitbekommen und mehrere Umzüge, das Studentenleben. Sie hatte sich sogar die studentischen Schlafgewohnheiten angewöhnt, ging oft nochmal ins Bett, wenn wir zur Uni mussten. Immer war sie dabei, war der LAN-Hund, hat so viele Studentenbuden von innen gesehen, war überall gern gesehen und machte mit uns Urlaub am Meer. Sie hat schnarchend erst in und dann neben unserem Bett geschlafen, weil sie im Schlaf seltsamerweise immer breiter wurde. Generationen von Pudelwelpen haben versucht, mit ihr zu spielen – sie war “not amused”. Sie hat “mit mir” geheiratet und sie war da, als ich mit meinem Baby aus dem Krankenhaus kam, um den seltsamen Welpen vorsichtig zu beschnuppern. Als Baby dann anfing, selbst zu essen, hatte sie sehr schnell gelernt, dass der Platz unter dem Hochstuhl der praktischste ist, und Baby musste lernen, dass das Essen, das er Vicy anbietet, verdammt schnell weg ist. Zum Schluss war sie taub, doch bis zuletzt rannte sie fröhlich mit uns über die Wiese, buddelte nach Mäusen und freute sich ihres Lebens. Ihre größte Sorge war es immer, zu verhungern und sie litt ihr ganzes Leben lang an chronischer Selbstüberschätzung, hielt sich für einen sehr großen Hund. Ihre Vorliebe für stinkende Haufen war nicht immer angenehm – die Reste in ihrem Fell auch nicht. Sie mochte es, geföhnt zu werden und sie wollte immer dabei sein. Auf dem Sofa zwängte sie sich am liebsten in die engste Ritze, war verschmust, hat gern auf meinem Schoß geschlafen, wenn ich am Schreibtisch gearbeitet habe.

Heute morgen haben wir sie beerdigt, in ihrem Körbchen und mit einem Leckerchen.
Sie fehlt mir jetzt schon.

Ein Gedanke zu “Vicy

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