Archiv des Marke: Ponies

07 Jul

Abendroutine

“Ponieeeeees!”

Betont laut klappere ich mit der Tür zum Auslauf, bevor ich sie hinter mir schließe und zwischen den Bäumen hindurch ins Halbdunkel der Weide schaue – ich sehe sie alle beide. Zur Sicherheit rufe ich noch einmal – mit dem Kopf im Gras hört man ja vielleicht nicht so gut.

Tommy hebt zuerst den Kopf und schaut in meine Richtung. Keine Ahnung, ob er mich sehen kann, doch zur Sicherheit ziehe ich die Möhre aus der Tasche und wedle damit ein wenig. Noch ein Maul voll Gras, dann setzt er sich in Bewegung, schlurft langsam auf den schmalen Durchgang zwischen Bäumen und Zäunen zu. Hugo rührt sich nicht, nur seine Ohren verraten, dass er mich sehr wohl gehört hat. Er sieht nur noch keine Notwendigkeit, das Fressen einzustellen.

Erst, als Tommy den schmalen Durchgang mit dem Tor zum Auslauf beinahe erreicht hat, reißt Hugo den Kopf ruckartig hoch, dreht sich um und – rast los. Mit dem eleganten, gestreckten Galopp eines vollgefressenen 75cm-Ponies überholt er Tommy, brettert förmlich durch das Tor, kommt mit wehender Mähne auf mich zu und stemmt dann abrupt alle vier Hufe in den Boden, um exakt vor mir zum Stehen zu kommen und erwartungsvoll die Nase zu heben.

Wie jeden Abend muss ich lachen über den kleinen Clown und seine Abendroutine, und wie jeden Abend breche ich die Möhre durch, gebe dem “kleinen Dicken” seine Hälfte und warte, bis Tommy mich in seinem gemächlichen Tempo erreicht hat, um sein Möhrenstück entgegenzunehmen.

Während ich das Tor zumachen gehe, knuspert und knurpst es hinter mir, beide schmatzen genüsslich und tauschen dann die Plätze um nachzuschauen, ob der jeweils andere nicht vielleicht einen Krümel vergessen hat. (Mal ehrlich – wie wahrscheinlich ist das?)

Beiden kraule ich noch kurz die Nase und sage ihnen gute Nacht, bevor ich das Licht am Stall ausmache und auf das Haus zugehe, begleitet vom Schnauben und Schnobern der Ponies, die den Auslauf nach heruntergefallenen Blättern oder zwischenzeitlich gewachsenen Grashälmchen absuchen.

16 Mai

My Little Pony

Es ist so: Die abzuarbeitende Liste an Arbeitsaufträgen in meinem “Job-Notizbuch” (ja, ich benutze diesen altmodischen Papierkram) ist mehrere Seiten lang und nicht aktuell, denn es kommen noch einige Mails dazu; Ich müsste ungefähr 3 Maschinen Wäsche waschen; Die Liste der Texte, die ich für meine Dis durcharbeiten oder zumindest anschauen und ihren Nutzen für mich bewerten sollte, wird eigentümlicherweise immer länger anstatt kürzer; In der neuen Küche muss Farbe an die Wand; In der alten Küche steht ein Stapel schmutzigen Geschirrs auf der Spülmaschine voll mit – na? Richtig: Sauberem Geschirr;

Und? Ich hocke draußen im Stall und striegele die Ponies. Ja, ich schrieb “hocke”, denn genau das muss ich tun, um ranzukommen an unsere beiden Kleinen, die mit einer grob geschätzten Schulterhöhe von 70 cm zum Reiten höchstens für unseren “menschlichen Kleinen” taugen.

Es ist einfach unglaublich entspannend am Stall, denn es ist ruhig hier und die langsamen, gleichmäßigen Bewegungen machen den Kopf frei, sodass Ideen wie die für diesen Text hier entstehen. Warum bin ich nicht früher darauf gekommen? ;)
Während ich Hugo also striegele, immer wieder grinsen muss, weil er genüsslich den Hals biegt und ganz ohne Anbinden ruhig stehen bleibt, kommt Tommy an, schnobert an mir und prustet mir ins Haar. Gut, das ist jetzt vielleicht nicht jedermanns Sache, mit dem typischen Pferdegeruch und eventuell auch noch einer kleinen Spur Sabber, aber ich genieße es sehr. Wisst ihr eigentlich, wie wahnsinnig weich so eine Pferdenase ist? :)

Ponies
Wunderbare Rasenmäher: Links fressend Hugo, rechts schauend Tommy. Die Weide ist übrigens nicht wirklich so winzig, wie es hier ausschaut, wir müssen nur die kleinen Bäumchen einzäunen, damit diese nicht mitgefressen werden.

Die Beiden – es sind übrigens Mini-Shetlandponies – leben jetzt seit etwas mehr als einem Jahr bei uns, gleich hinter dem Haus in dem Stall, der jahrelang leer stand, weil die Isi-Herde, die hier früher wohnte, mit den Jahren immer kleiner wurde und irgendwann dann ganz verschwunden war.
Ich selbst bin nie sehr gut darin gewesen, oben auf den Pferden drauf zu hocken, hatte aber immer Spaß an allem drumherum – also sind diese kleinen Pferdchen meiner Meinung nach ideal, zumal ich sie auch einfach unglaublich knuffig finde. :)

Woher die Jungs ursprünglich kommen, wissen wir nicht genau. Wie haben sie von einem Hof, dessen Besitzer dank “Animal-Hoarding” wirklich, wirklich viele Pferde in allen Größen, Farben und Formen angesammelt hatte und nun durch den Amtsveterinär gezwungen war, einige abzugeben. Wir mussten uns sehr beherrschen, bei den beiden abgesprochenen zu bleiben und nicht noch mehr einzupacken, denn obwohl der Besitzer wahnsinnig nett war und auf dem Hof eine Schar Helferinnen umherwuselte, die nach Kräften die Pferde pflegte, fütterte und bewegte, waren es einfach zu viele, als das sie ihnen hätten gerecht werden können.
Dass die Beiden dort keinesfalls schlecht behandelt worden sind, merkte man schon bei ihrer Ankunft an ihrem Verhalten: Sie kamen hier an, stiefelten aus dem Pferdeanhänger, steckten die Nase ins Gras und fingen an zu fressen. Als kurze Zeit später die Hunde angestürmt kamen und sie ankläfften, hoben sie kurz den Kopf, fraßen dann aber in Ruhe weiter. Weder knatternde Traktoren noch kleine und große Menschen noch (abstürzende) ferngesteuerte Hubschrauber bringen sie aus der Ruhe.

Das Einzige, was Tommy und Hugo stressen kann?
Futtermangel! ;)