Archiv des Marke: Blume

06 Feb

Eine Blume

Mit diesem Bild stelle ich heute eine neue Kategorie vor: Kunst vom Kind.

Das erste Kunstwerk in dieser Rubrik ist eine Skulptur.

“Eine Blume”
Mit großem Feingefühl wird hier die Vergänglichkeit der Natur zum Thema gemacht, ohne allerdings mit allzugroßem Pathos darauf hinzuweisen:
BlumeDer Titel steht dabei in deutlichem Kontrast zum Werk an sich, denn die “Blume”, wie die Skulptur genannt wird, besteht schlichtweg aus totem Material. Der Künstler kombiniert auf geschickte Weise das künstliche, für die moderne Wegwerfgesellschaft essenziell wichtige Plastik mit totem Holz und einer kleinen Menge Sand, die auf dieser Abbildung leider nicht zu erkennen ist.
Nichts an der Farbgebung dieser Blume erinnert an ihre im Freien wachsenden Verwandten, im Gegenteil ist der Gedanke an von Leben erfüllte Blumenbeete ob des ausdrücklich tristen Einsatzes von Braun- und Grautönen nahezu absurd.

Weiterhin betont die angedeutete Transparenz der “Blüte” die Zartheit des dargestellten Gegenstandes, während die dichte Patina aus sorgfältig zusammengestelltem Schmutz auf der “Blüte” sehr deutlich macht, wie in Zeiten der drohenden Klimakatastrophe mit solch fragilen Gebilden umgegangen wird.
Dieser Eindruck wird noch unterstützt durch die Knicke und Dellen in dem – wie sollte es anders sein – Plastiktopf, in dem die “Blume” steht. Hier wird klar: Wertschätzung hat dieses Objekt in seinem kurzen Leben noch nicht erfahren.

Auch die Auswahl des “Stengels” ist nicht ohne Symbolik, kommt hier doch ein von Menschenhand bearbeitetes, nämlich entrindetes und beschnitztes Stück Holz zum Einsatz, das viel von seiner Natürlichkeit eingebüßt hat und mit Schrammen und Kratzern versehen wurde, um auch hier eine gewisse Zerbrechlichkeit zu signalisieren.

Insgesamt wurde hier ein berührend einfaches und doch bedeutungsschweres Kunstwerk geschaffen, das an Aussagekraft noch gewinnt durch den Umstand, dass es wenige Tage nach seiner Entstehung vom Künstler selbst zerstört wurde, um daraus neue Kunstwerke zu schaffen. Wie die Natur in ständigem Wandel von Wachsen und Absterben begriffen ist, sind es also auch die feinfühlig eingesetzten Materialien dieses Künstlers, sodass für beide Fälle, also Natur und Kunst nur gelten kann, sie solange zu genießen, wie sie eben zur Verfügung stehen.