13 Sep

Spot

15 Jahre sind ja schon ein stolzes Alter für eine Katze, die mit großer Begeisterung einen Großteil ihres Lebens draußen verbrachte – was es für uns nicht wirklich leichter macht.

Mit Spot ging für mich auch ein Stück Erinnerung an Vicy, denn die Beiden waren trotz ihrer sehr gegensätzlichen Charaktere Freunde, hätten das aber NIEEEEMALS zugegeben, auf keinen Fall! In unserer Studentenbude konnte es passieren, dass die Beiden Rücken an Rücken auf dem Sofa schliefen, solange keiner guckte.

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Spot hat ihr Leben lang immer so getan (und auch so geschaut), als könne sie uns nicht leiden, als seien Menschen im Allgemeinen ihr sehr zuwider, doch kaum öffnete sich unser Fenster – schwupps, war sie da, saß schnurrend auf der Fensterbank und beobachtete alles. Beim Arbeiten am Computer war es oft nicht wirklich möglich, den Monitor zu sehen, weil die Sicht von einem fluffigen schwarz-orangenen Etwas versperrt wurde, das, wenn man nicht aufpasste, auch gern mal die Gelegenheit nutzte, um einem an der Nase zu schlecken (riecht komisch). Sie war sehr, sehr fluffig und haarte kaum, sabberte aber gelegentlich im Schlaf.
Während meiner Schwangerschaft schlief Spotti immer besonders gern auf meinem Bauch, und da sie permanent geschnurrt hat (sie hörte wirklich nur im tiefsten Tiefschlaf damit auf!), hat das Baby so schon früh Tierkontakt gehabt. Überhaupt war sie mit Kindern sehr geduldig, hat niemals gekratzt oder gebissen und auch die ungestümsten Liebesbekundungen über sich ergehen lassen – schnurrend natürlich. Bei ihrem letzten Tierarztbesuch hat die Tierärztin alle Register gezogen, sogar versucht, Spot zu erschrecken, um das Schnurren zu stoppen. Erfolglos.

In ihren letzten Lebenswochen war Herrchen eine Woche im Urlaub und Spot hat es sich (gemeinsam mit Hotte, dem Hasen, den mein Sohn mir ins Bett gesetzt hat) zur Aufgabe gemacht, mir Nachts Gesellschaft zu leisten:
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Nun liegt sie in unserem “tierischen Friedwald” unter einem kleinen Baum, in der Reihe neben Jerry, Laika, Vicy und Shadow.
Sie fehlt mir. Niemand kommt angerannt, wenn ich die Ponies reinhole, niemand sitzt mit einer Maus im Maul dumpf, aber stolz maunzend draußen und will rein, niemand sitzt auf dem Dach und beobachtet uns, während wir auf der Veranda sitzen. In der ersten Nacht ohne sie schlief ich vorsichtig um den Fleck auf meiner Bettdecke herum, auf dem sie immer gelegen hat, denn ab und zu beschwerte sie sich schon, wenn ich zu unruhig schlief. Bei kratzenden Geräuschen am Fenster werde ich wohl auch noch eine Weile hinschauen und den Impuls, aufzuspringen und das Fenster aufzumachen, unterdrücken müssen.

Wenn man Tiere hat, gehört der Abschied irgendwie von Beginn an dazu, doch man mag gar nicht daran denken, solange man sein Pelztier noch im Arm hält, es noch bellt, schnurrt oder was es eben so tut, und das ist wohl auch gut so. Es nutzt nämlich gar nichts, sich theoretisch klar zu machen, dass Hund und Katze nun einmal nicht so lange leben wie Menschen – wenn man sie dann gehen lassen muss, ist es trotzdem Mist.