09 Nov

Offener Brief an den Herrn mit Hund

Sehr geehrter Herr mit Hund,

Sie kennen mich nicht und ich kenne Sie auch eigentlich gar nicht. Vermutlich werden Sie nie von diesem Brief erfahren, aber da dieser schon seit Monaten in meinem Kopf herumspukt, muss ich ihn halt jetzt einfach schreiben, damit das aufhört.

Ich sehe Sie öfter auf dem Weg zu Arbeit und ich lächle dann immer und freue mich, ohne genau zu wissen warum. Sie gehen immer um eine bestimmte Uhrzeit mit Ihrem Hund an dieser Straße spazieren, über die ich fahre.
Ihr Hund ist klein und wuschelig-struppig und absolut nicht das, was eins allgemein als niedlich oder süüüüß bezeichnen würde. Seine kurzen Beinchen sorgen dafür, dass er beim Gehen ganz charakteristisch wackelt, seine fluffigen Ohren und sein Schwänzchen wippen, er sieht unglaublich fröhlich dabei aus. Deshalb (und vielleicht, weil ich das von allen Hunden denke) finde ich ihn (oder sie) absolut großartig in all der kleinen, schwanzwedelnden Struppigkeit.

Warum ich mich freue, Sie zu sehen? Keine Ahnung… Vielleicht einfach, weil ich finde, dass Menschen und Hunde eine großartige Kombination sind und es mich glücklich macht, dass da zwei zusammen spazieren gehen, bei Wind und Wetter, wo einer allein doch wohl eher in der warmen Stube geblieben wäre.
Würden Sie ohne Ihren Hund spazieren gehen? Vielleicht wären Sie viel weniger fit ohne das Tier, das die Bewegung braucht? Und Sie respektieren das Bewegungsbedürfnis Ihres pelzigen Freundes und begeben sich ihm (oder ihr) zuliebe raus in die manchmal fiesfeuchtkalte Welt. Das finde ich großartig.

Mir ist schon klar, dass mich das eigentlich gar nichts angeht, aber… naja, so ist es halt. Ich freue mich und dachte, es wäre schön, Ihnen zu sagen, dass Sie mir morgens, wenn ich entsetzlich unterkoffeiniert auf dem Weg zur Arbeit bin, den Tag erhellen. Vielleicht erhellt das ja auch Ihren?
Oft, wenn ich Sie sehe, denke ich darüber nach, dass manchmal Menschen einen Einfluss auf unser Leben haben, ohne es zu merken. Ich werde dann morgens schon gelegentlich etwas philosophisch, was sicherlich auch mit der Sache mit dem Koffein zu tun hat…

Jedenfalls war der Anlass für diesen Brief folgender: Ich fahre jetzt ganz oft etwas früher zur Arbeit, hat mit den Umständen zu tun. Deshalb habe ich Sie lange nicht gesehen und irgendwie… vermisst. Tatsächlich.
Neulich aber, da fuhr ich zufällig an einem Tag, an dem ich nicht zur Arbeit fuhr, morgens diese Strecke und sah Sie. Es hat mich gefreut, Sie mal wieder zu sehen und zu wissen, dass es Ihnen und Ihrem struppigen Freund wohl recht gut geht. Bleiben Sie gesund und geben Sie gut acht auf Ihren Hund, kuscheln Sie ihn (oder sie) doch mal von mir, das wäre nett.

Viele Grüße,
das Wusel