Dieses Buch handelt von den (in seinen Augen) sieben wichtigsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, und die wären: Arthur Schnitzler, Thomas Mann, Alfred Döblin, Robert Musil, Franz Kafka, Kurt Tucholsky und Bertold Brecht. Bin zufällig in einem Antiquariat darüber gestolpert und da ich MRR irgendwie mag, musste ich einfach zuschlagen.
Ich versuche es mal Kapitelweise:
Wenn ich Thomas Mann nicht ohnehin schon mögen würde, wäre ich wohl nach diesem Kapitel ein Fan, so wie er hier beschreiben ist. Außerdem interessieren mich jetzt brennend Thomas Manns Tagebücher, die laut MRR zwar jede Menge trivialen Kram (wie der Bericht, dass Mann nach dem Theater heiße Schokolade getrunken hat) enthalten, aber gerade deswegen seine Größe zeigen. Und es steckt doch in jedem Genie irgendwie ein Mensch…
Es klingt vielleicht hochtrabend oder bescheuert, aber beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, Parallelen zwischen mir und TM zu finden, vor allem in seinem ständigen Hadern mit sich selbst und der Welt. Laut MRR war es ihm nicht Recht zu machen: Kritisierte man ihn, waren die Kritiker minderbemittelt, lobte man ihn, haben sie nicht genau hingeschaut.
Andererseits kann man als Leser keine Parallelen ziehen, dazu ist er einfach zu genial, finde ich.
Das Kapitel über Döblin war ausgesprochen amüsant! Er schrieb nach eigenem Bekunden nur zum eigenen Vergnügen und nicht für ein Publikum. Außerdem fand er viele seiner Bücher wohl einfach blöd. Und er war Arzt in einer Nervenheilanstalt.
Habe in dem Abschnitt über Robert Musil eine interessante Anekdote gefunden: 1968 hat die Satirezeitschrift “Pardon” einen Auszug aus dem “Mann ohne Eigenschaften” von Musil genommen, die Namen der Protagonisten (und ein paar allzu offensichtliche Kleinigkeiten) geändert und das dann an führende Germanisten und ca. 30 Verlage gesendet. Die Antwort war vernichtend! Kitschig, schwülstig und überhaupt absolut schlecht.
Als sie nachher aufgeklärt wurden, haben sie dann gesagt, man könne das ja auch nur gut finden, wenn man wisse, dass es Musil sei.
MRR zieht daraus die Konsequenz, dass er der Meinung ist, Musil habe wesentlich mehr Bewunderer als Leser… Kann ich verstehen. Ich bin ja auch mit dem Mann ohne Eigenschaften nicht fertig geworden bisher.
Zu Brecht nur eins: “Die dümmsten Außerungen über Thomas Mann stammen von, immerhin, Bertold Brecht und Alfrd Döblin. Daß beide seine Werke nicht kannten, sei nur der Ordnung halber erwähnt.”
Nun zu Kurt Tucholsky. Das ist interessant, weil ich noch fast nichts über ihn wusste.
Was ich jetzt weiß, ist, dass er wie viele andere seiner Kollegen eigentlich menschlich ziemlich am Ende war. Einsam, bindungsgestört und unglücklich. Und depressiv, was am Ende zum Selbstmord geführt hat.
Und noch etwas: “Kurt Tucholsky, der Scharfsinnige und Schwermütige, der Große und Genialische – er war zugleich ein alberner Mensch.”
Mein Fazit zu dem Buch: Die Schriftsteller waren alle irgendwie kaputte Persönlichkeiten, die trotzdem faszinierendes geleistet haben in ihrem Leben. Sie haben auch alle Tagebuch geführt und so bekommt man Einblicke in ihr Innenleben, die ich sehr interessant finde. Es sind eben auch nur Menschen, die auch Sorgen und Nöte haben, das ist beruhigend.
Die Tagebücher von Thomas Mann sind auf meiner Wunschliste durch die ganze Sache auf jeden Fall ein paar Meter weiter nach vorn gerückt.