http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,640413,00.html
Uwe Timm – Die Entdeckung der Currywurst
Worum es an und für sich geht, sagt ja schon der Titel des Buches: Wie wurde eigentlich die Currywurst erfunden?
Der Erzähler fragt die alte Lena Brücker danach, weil er sich aus seiner Kindheit noch an ihre Currywurst erinnern kann. Als Antwort bekommt er die halbe Lebensgeschichte dieser Frau, so gesehen stimmt also meine erste Aussage hier an und für sich nicht…
Ein Kriegsschicksal kann man es nennen, was dort erzählt wird und es ist bewegend, obwohl oder vielleicht gerade weil man sich das als junger Mensch heute nicht mehr vorstellen kann. Selbst meine Großeltern haben den Krieg nicht so intensiv erlebt wie es hier geschildert wird, sie waren zu der Zeit noch Kinder… Dennoch war genau das die Realität damals.
Das klingt jetzt irgendwie wie “noch ein langweiliger Roman, der den zweiten Weltkrieg thematisiert *gähn*”, so ist es aber nicht. Ich zumindest habe so eine “Innensicht” noch nicht gelesen.
Lena Brücker bewegt sich teilweise am Rande der Legalität und überschreitet diesen auch mal großzügig und sie erzählt dem Erzähler, der wie der Leser hin und wieder befremdet reagiert, vom Schwarzhandel, von Denunzianten, vom Überleben und vom Sterben. Mir ging dabei mal wieder auf, wie unendlich interessant Lebensgeschichten sind. Solche Dinge haben sicher (bis auf die Erfindung der Currywurst vielleicht) sehr viele meiner Mitmenschen erlebt. Es muss ja nicht unbedingt ein Krieg sein, aber turbulent geht es in jedem Leben einmal zu. Wenn man die Menschen nur mal fragt und einfach zuhört, dann hat man oft das Gefühl, sich eigentlich in einem Buch zu befinden angesichts der Dinge, die sie erlebt haben.
Zurück zum Buch. ![]()
Die Sprache hat mich ab und an genervt. Ich bin da altmodisch, das habt ihr vielleicht schon bemerkt und bereits bei “Heißer Sommer” von Timm ging mir dieses abgehackte Schreiben auf den Keks. Ich weiß, das ist Absicht, das sagte ich da auch schon, dennoch finde ich es nicht schön. Außerdem kam es mir ab und an ganz schön aufgesetzt vor. Zum Beispiel: “Es war März, und der gnadenlose Paarungstrieb ließ die Amseln im Gebüsch aufeinanderspringen.” (dtv-Ausgabe S. 186). Was soll denn das? Fand ich total überflüssig und irritierend an der Stelle.
Das Ende hatte etwas Rührendes, hat mich aber doch irgendwie ein bisschen überrascht, weil ich mental noch richtig drin war in der ganzen Sache und mir dann etwas mehr vorgestellt und erhofft hatte.
Thomas Mann – Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Ein lustiges Buch, wirklich!
Dieser Mensch – diese Figur und ihre wunderbar überzogene, Selbsteinschätzung, diese Art, ganz nebenbei, wie zufällig und herrlich ironisch das überproportionierte Selbstbewusstsein ans Licht zu bringen… Thomas Mann eben. Man merkt als Leser manchmal gar nicht, dass man auf den Arm genommen wird!
Ich versuche mal, die ganze Sache knapp zusammenzufassen: Felix Krull erzählt hier selbst aus seinem Leben. Er war ein “phantastisches Kind” und ehrlich gesagt zu dem Zeitpunkt schon absolut gaga… ![]()
Jedenfalls ist er zu Höherem bestimmt, ganz sicher, denn er kann absolut alles und ist überdies noch ausgesprochen schön. Leider kommt ihm der Tod seines Vaters in die Quere, denn daraufhin verschlechtern sich die Verhältnisse in der Familie radikal und Felix muss los nach Paris und doch tatsächlich arbeiten! Natürlich verrichtet er all seine Arbeit auf grandiose Weise, einfach perfekt und umwerfend… Ich sollte mich zusammenreißen, muss schon wieder grinsen beim Schreiben!
Vielleicht verdeutlicht ein Zitat besser, was ich meine:
“Denn auf den ersten Blick, so versicherte sie, erkenne der Kundige, dass ich zum Liebesdienste geschaffen und ausgezeichnet sei, ja mir selbst und der Welt viel Lust und Freude bereiten würde, wenn ich einem so präzisen Berufe Folge leistete und mein Leben gänzlich auf diesem Grunde errichten würde.” (Fischer-Ausgabe S. 121)
Über einige Gaunereien und Umwege hin bringt es der Gute dann aber doch tatsächlich zu etwas… er schlüpft nämlich in die Rolle eines Marquis und macht eine Weltreise. Und auf der Welt gibt es jede Menge Gelegenheit, zu betonen, wie grandios man doch ist… und Damen zu beglücken.