Ich bin an dieses Buch mit einer etwas seltsamen Einstellung heran gegangen, weil ich im Vorfeld über den Autor und seine Faszination für Ehebruch gelesen habe. Flaubert hat die Ehe an sich strikt abgelehnt und das merkt man auch deutlich an dem tristen Bild, das er von der Ehe der Bovarys zeichnet. Die Beiden streiten sich zwar nicht, und es gibt auch keine großen Probleme, aber trotzdem kann man es beim Lesen tatsächlich irgendwie verstehen, was Emma Bovary schließlich in den Ehebruch treibt. Ihr Mann Charles ist Arzt und zeichnet sich dadurch aus, dass ihn nichts besonders auszeichnet. Er ist schlicht und ergreifend langweilig und sehr einfach gestrickt… was nicht bedeutet, dass Emma da großartig anders ist, aber sie liebt Romane und lebt in ihrer Traumwelt, in die ihr plumper, leicht dümmlicher Gatte nunmal einfach nicht passt.
Was Emma am Ende dann aber… naja, ich will ja nicht das Ende verraten, aber was zum Problem wird, ist nicht der Ehebruch selbst, sondern die Tatsache, dass sie immer verschwenderischer mit Geld umgeht und sich so mehr und mehr verschuldet. Mehr sage ich nicht, da müsst ihr schon selbst lesen… achso, meine Meinung… mhm es hat sich stellenweise etwas in die Länge gezogen, aber alles in allem war es interessant, diese Entwicklung zu verfolgen.
Gustave Flaubert – Madame Bovary
Bernhard Schlink – Der Vorleser
Kann mir jemand sagen, wo ich das Buch her habe?
Ich habe es mit Begeisterung in meinem Regal gefunden und zwar noch bevor ich wusste, dass es verfilmt worden ist. Den Film habe ich auch immer noch nicht gesehen, aber da ich ja eh kein besonders großer Fan von Filmen überhaupt bin, macht das nichts. ![]()
Das Buch an sich ist ja nicht besonders dick, aber reichlich vollgepackt: Der erste Teil handelt von einem Fünfzehnjährigen, der eine Beziehung zu einer wesentlich älteren Frau hat und ihr bei ihren Treffen immer öfter vorliest. Die Art, wie die Gefühle des Jungen beschrieben sind (vor allem aus dem Blickwinkel, dass das alles schon Jahre zurückliegt), macht es möglich, dass man sich in die ungewöhnliche Beziehung einfühlen kann. Zuerst habe ich nämlich noch gedacht “Wie kann sie nur???”, aber je länger ich gelesen habe, desto mehr habe ich es verstanden und es hat mich einfach gerührt.
Die zweite Hälfte des Buches spielt einige Jahre später und erzählt, wie die Beiden sich wieder treffen, aber… mehr erzähle ich nicht.
Pascal Mercier – Nachtzug nach Lissabon
Das Buch hat mich gefesselt!
Ein in seinen geregelten Bahnen festgefahrener Lehrer für Altsprachen trifft zufällig eine Portugiesin, die eine Reihe von Ereignissen in Gang setzt. Irgendwie landet er mit dem Tagebuch des Arztes Amadeu (viele weitere Namen…
) Prado in Lissabon und trifft immer mehr Leute, die Prado gekannt haben. Er schaut sich die Schauplätze aus Prados Leben an, versetzt sich in diesen hinein und lernt nebenbei Portugiesisch. (Spannende Sprache!)
Es fließen immer wieder philosophische Texte aus dem Tagebuch ein, aus denen ich andauernd hätte zitieren können, weil sie mich so angesprochen bzw. mir aus der Seele gesprochen haben.
Was mich allerdings ein wenig genervt hat, war das Ende. Ich verrate es hier natürlich nicht, aber es war irgendwie unbefriedigend.
Theodor Fontane – Effi Briest
Erstaunlicherweise bin ich in ich in meiner Schullaufbahn und auch an der Uni bis dato an diesem Buch vorbeigekommen. Zwar wurde es immer mal wieder kurz angesprochen, aber ich musste es nie lesen.
Irgendwann hat Vera es mir dann aber empfohlen, weil sie es gelesen hatte und total begeistert davon war und da gab es natürlich kein Halten mehr für mich und ich hab losgelesen.
Um mal sie abschließende Meinung nach vorn zu ziehen: Ich fands toll!
Sicherlich ist es nicht jedermanns Fall, und beim Lesen selbst hab ich ab und zu auch mal die Stirn gerunzelt, aber das Fazit ist durchweg positiv. Fontane schildert die Problematik Effis in ihrer Ehe mit einem viel zu alten Mann und auch die Beweggründe, die dazu führen, dass gewisse Dinge geschehen… Ich will wie immer nicht vorgreifen, doch eins weiß ja ohnehin jeder: Es geschieht ein großes Unglück, an dem die arme Effi schließlich zu Grunde geht.
Oft wird in dem Zusammenhang diskutiert, wer nun eigentlich Schuld an dem Desaster trägt. Sind es die Eltern, die ihre Tochter mit einem Mann aus ihrer eigenen Generation verheiraten oder jener Mann und seine doch recht frostige Gefühlswelt? Für mich gibt es da keine eindeutige Antwort. Schuld sind wie so oft einfach die Umstände, die dazu führten, dass die Figuren so handeln, wie sie eben handeln und dann ist der Ausgang des Ganzen unvermeidlich. Zumindest nach den strengen Konventionen. Für uns heute ist es ein leichtes zu sagen, man könne diese einfach so ablegen, doch damals ging das nunmal eben nicht, und daher trägt eigentlich niemand und doch irgendwie jeder Schuld an allem. *find*