25 Jul

Das Jahr 2015 – NaBloPoMo #24

(Heute habe ich mehr Lust auf das Thema von gestern, zu dem mir gestern gar nichts einfiel, heute aber schon.)

Museal 
Im Jahr 2115 wirst du von einem Museum gefragt, ob du die Einführung zu einem Katalog über Leben & Kultur im Jahr 2015 schreiben möchtest. Was schreibst du?

Das Jahr 2015

Die Menschen im Jahr 2015 zeichnen sich wohl hauptsächlich durch eines aus: Eine Meinung. Jeder Bürger hat eine und es ist en vogue, diese lauthals und gern auch mittels Plakaten oder in dem damals noch recht jungen Medium Internet kundzutun.
Dabei ist es nicht in erster Linie relevant, ob mit dieser Meinung etwas Sinnvolles zu einem öffentlichen Diskurs beigetragen wird – hierbei geht es vielmehr um Selbstdarstellung und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Die geführten Debatten sind manchmal sehr widersprüchlich und betreffen teilweise aktuelle politische Themen wie die damals hochbrisante Flüchtlingsproblematik oder Transatlantische Freihandelsabkommen, das zu dieser Zeit in die Wege geleitet wurde und wie wir heute wissen ganz und gar nicht die versprochenen positiven Auswirkungen hatte.

Öffentlich diskutiert werden aber auch als privat bezeichnete aber dennoch politische Inhalte wie das, was rückblickend als “Hebammenkrise” oder “Mütterstreik” in die Geschichtsbücher eingehen wird, oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bei letzterem ist zu bedenken, dass 2015 die traditionelle strikte Trennung zwischen Beruf und Privatleben gerade erst begann, lockerer zu werden, was natürlich zunächst Sorgen auslöste: Würden in der Zukunft alle immer arbeiten, die Menschen ausgebeutet und das Privatleben komplett vernichtet werden?
Was aus heutiger Sicht etwas lächerlich erscheint, wirkte 2015 noch völlig plausibel und löste großes Unbehagen aus.

Unbehagen kann ebenfalls als ein Wort der Zeit um 2015 bezeichnet werden.
Ausgelöst werden konnte das Unbehagen durch Homosexuelle, durch das Internet, durch smoothietrinkende Mütter, die bereits erwähnten Flüchtlinge, männliche Erzieher… oder ganz allgemein durch Neues.

Da dieser Artikel die Verbesserungen, die seit 2015 stattgefunden haben, hervorheben soll, werden nun drei subjektiv ausgewählte Beispiele näher ausgeführt, die zeigen soll, dass bei aller Fortschrittlichkeit, die die Menschen 2015 empfanden, doch immer noch eher altmodisch anmutendes Gedankengut in den Köpfen festsaß.

Das Internet

Das kommerzielle Internet ist 2015 noch keine 30 Jahre alt und das zeigt sich auch deutlich im Umgang mit dem sogenannten “neuen Medium”.
Das IntG (Informationstechnisches Grundgesetz) beispielsweise lag zu dieser Zeit noch gar nicht vor, was dazu führte, dass einige unter denen, die ihre Meinung kundtaten, das Internet als “rechtsfreien Raum” bezeichneten. Es wurde als gefährlich, als Neuland oder Tummelplatz für Verbrecher aller Art gebranntmarkt, wusste doch ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung noch gar nicht, was genau es eigentlich ist, das Internet.
Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass auch DGB (Digitale Grundbildung) erst sehr viel später als verpflichtendes Schulfach eingeführt wurde.

2015 jedenfalls waren es hauptsächlich jüngere Menschen, die das Internet auf eine Art benutzen, die annähernd vergleichbar mit unserer heutigen alltäglichen Selbstverständlichkeit ist.

An den entsprechenden Gesetzen allerdings arbeiteten Menschen, die zum Großteil beim besten Willen nicht mehr als jung bezeichnet werden konnten, und hier liegt das Problem begründet, das die Formulierung des IntG in den Folgejahren deutlich verzögern und komplizieren sollte. Es musste zunächst eine neue, jüngere und mit dem “neuen Medium” aufgewachsene Generation an Politikern heranwachsen.

Ähnlich wie bei der Einführung von gedruckten Zeitungen oder der Eisenbahn gab es laute Stimmen, die riefen, das Internet gefährde den Menschen elementar und könne sogar krank machen.
Es war eben noch kein Gleichgewicht gefunden und der Blick dafür, dass sich alle gesellschaftlichen Neuigkeiten zunächst einpendeln und in die Strukturen integrieren müsse, war 2015 noch nicht geschärft.

Die Politik

Politik war 2015 noch beinahe ungebrochene Domäne der alten Herren. Zwar gab es immer wieder erfolgreiche Frauen – immerhin herrschte in diesem Jahr die erste deutsche Kanzlerin! – doch wurden diese gern zu den “Frauenthemen” wie Kinder, Senioren und Soziales geschoben und außerhalb dieser nicht unbedingt ernst genommen. Der Fokus auf ihr Äußeres war paradoxerweise selbst bei diesen wenigen einflussreichen Frauen noch sehr stark.

Dass auch junge Menschen politisch aktiv waren, wie es mit unseren heutigen Methoden selbstverständlich ist, war damals eher eine Seltenheit und traurigerweise hatten 2015 wohl die meisten jungen Leute noch immer das Gefühl, nichts bewirken zu können.

Stattdessen gab es sogenannte Lobbyisten, die eine bestimmte Firma oder Interessensgruppe vertraten und vollkommen ungehindert von Ethik und Grundgesetz ihren Einfluss bei den Politikern geltend machen konnten, um zum Teil gegen energischen Widerstand der Bevölkerung absurde Gesetze zu verabschieden.

Formen der Bevölkerungsbeteiligung, die unseren heutigen ähneln, lagen noch in den Grundzügen. Diejenigen, die sich diese zu Nutzen machten, wurden gern als “Wutbürger” bezeichnet, die nicht wirklich etwas tun und einfach nur Knöpfe klicken möchten.

Es wird klar: Das Verständnis für ganz alltägliche Probleme und Vorgänge im Leben normaler Menschen war in der Politik 2015 quasi nicht gegeben, stattdessen lebten Politiker abgeschirmt in ihrer eigenen, finanziell völlig sorglosen Welt.

Die Hebammenkrise/der Mütterstreik

Die Auswirkungen dieser Krise sollten erst viel später wirklich klar werden, doch mit den Gesetzesänderungen 2015 wurde dieser Krise der Weg bereitet.
Was aus heutiger Sicht sonnenklar ist, nämlich der Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden junger Mütter und der Unterstützung für Menschen mit Kindern auf der einen und der Anzahl der geborenen Kinder auf der anderen Seite war 2015 noch nicht erkannt.

Anstatt ganz vorn anzusetzen und die Betreuung in der Schwangerschaft und eine sichere Geburt als oberste Priorität in der Familienpolitik anzusehen war 2015 noch geprägt von mehreren halbherzigen Versuchen, mit verklausulierten und schwer verständlichen, sich permanent ändernden finanziellen Anreizen Menschen, die die schwere Entscheidung für Kinder bereits gefällt hatten, Zuschüsse zuzuteilen.
Da es 2015 tatsächlich noch ein beruflicher Nachteil war, Kinder zu haben, um die sich gekümmert werden musste, konnten diese familienpolitischen Irrläufer nicht den erwünschten Erfolg haben.

Hinzu kommt, dass es 2015 noch relevant war, welches Geschlecht die Menschen, die sich ein Kind wünschen, haben. Üblicherweise waren es damals ein Mann und eine Frau, die mehrere Kinder gemeinsam großzogen und zudem eine Beziehung zueinander hatten oder eine Frau, die mit ihren Kindern allein lebte.
Alternativmodelle, wie sie heute niemanden mehr aufregen, wurden 2015 noch kritisch beäugt und unter dem Deckmantel des Kindeswohls zum Teil tatsächlich verboten.

Der Mütterstreik, von dem heute jedes Kind im Geschichtsunterricht lernt, steht den Menschen von 2015 noch bevor, sodass anstelle von allumfassender Unterstützung des Kinders an sich in der Gesellschaft eher eine kinderfeindliche Stimmung herrscht.
Tatsächlich war es in den Jahren um 2015 möglich, dass die sogenannten “Kindertagesstätten” aus ihren Räumlichkeiten geklagt wurden, weil die Anwohner sich gestört fühlten – hier wird klar: Noch ist Kinderlachen nicht zu dem raren Gut geworden, das es in den folgenden Jahren werden soll.

Doch auch die Mütter untereinander sind sich bei Weitem noch nicht so einig, wie sie es in der historischen Zeit des Mütterstreiks sein werden. Stattdessen bestanden 2015 noch Fronten von “Vollzeitmamas” auf der anderen und “Karrieremüttern” auf der anderen Seite, Beschimpfungen und Unterstellungen waren an der Tagesordnung.
Heute unvorstellbar: Es gab sogar einen Begriff, der benutzt wurde, um andersdenkenden, anders erziehenden – schlicht anders lebenden Müttern zu unterstellen, sie seien egoistisch, schlecht für ihre Kinder oder gar nicht an diesen interessiert: Rabenmutter.


 

Dieser Text entstand im Rahmen des NaBloPoMo – des National Blog Posting Month.
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16 Jul

Traumhaus – NaBloPoMo #16

Wie sähe dein Traumhaus aus, wenn du eines hast.

Das wird jetzt eine relativ langweilige Antwort, denn wenn ich überhaupt so etwas wie ein Traumhaus habe, dann ist es eindeutig das, in dem ich lebe. Ich schrieb sogar schon einmal darüber, und zwar hier.

Vielleicht schaffe ich es sogar demnächst, mal ein neueres Foto zu machen, jetzt, wo ich nicht mehr auf dem Gerüst stehe und streiche. ;)

Das Haus ist alt, mindestens 300 Jahre alt, wohl aber mehr, wenn man den Dokumenten glaubt. Wie viele alte Menschen ist auch das Haus nicht ganz einfach: Es tut nicht immer, was es soll, steht an einigen Stellen schief da und setzt extrem gern Spinnweben an, hier und da knarzt es ein wenig und manche Bereiche riechen sogar etwas eigenartig.

Aber es hat Charakter. Fast jeder der vielen Balken hat schon Generationen von Menschen gesehen und manchmal zeugen auch Inschriften, Macken und Dellen davon. Das Haus hat  diverse Kriege überstanden, hat sich auch nicht davon kleinkriegen lassen, dass es vernachlässigt und beinahe abgerissen wurde, dass es eine Weile sogar ein Schandfleck war.
Trotzig steht es immer noch hier, ganz oben auf dem Hügel und bietet unserer etwas verrückten, kreativen und vielseitigen 3-Generationen-Familie mit all dem Getier, mit vielen Besuchern, Gästen, Freunden und Verwandten ein Zuhause, ein Nest, eine Insel, die immer da ist und selbst im schlimmsten Sturm Vertrauen erweckt.

Zugegeben, es ist wohl nicht jedermanns Sache, so ein alter, knorziger, oller Kasten, aber ich find’s gut. :)


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10 Jul

Ohrwurm NaBloPoMo #6

Schreibe worüber du magst & binde ein Filmzitat, Buchzitat oder eine Songzeile, die dich schon eine Weile begleitet mit ein.

Erster Gedanke: Das ist leicht.
Dann: Welches Lied? Aaaah, so viele Zitate… aahhh – auswählen – alle aufschreiben – Riesentext – aaah!

Deshalb habe ich mich entschieden, die der vielen Lieblingsliedstellen in meinem Kopf herumgeistern, die am aktuellsten ist:

So don’t take life so seriously,
play, love, have fun, leave misery be
Regrets are built in a cold dark cage
Where nothing ever happens
(Sonata Arctica – Larger Than Life)

Wer mich schon länger liest, weiß, wie sehr ich diese Band liebe. Die Stimme von Tony Kakko hat aus irgendeinem Grund eine enorm beruhigende Wirkung auf mich, sodass ich selbst dann entspannen kann, wenn er eigentlich mörderische Geschichten singt.

Aber das allein ist es natürlich nicht. Ich mag Bands immer dann gern, wenn ich das Gefühl habe, dass sie lieben was sie tun, Spaß dabei haben und nebenbei auch noch sehr nett sind. Nun kenne ich natürlich keinen dieser Menschen persönlich, aber Sachen wie das Video zu ihrem Genesis-Cover von “I Can’t Dance” vermitteln irgendwie dieses Gefühl, oder? Spaß und Blödsinn, Sachen, von denen wir alle mehr im Leben haben sollten.

Das Zitat oben habe ich deshalb ausgewählt, weil ich es so sehr, sehr wahr finde und weil es zeigt, dass diese Band neben dem ganzen Unfug und Spaß auch sehr weise sein kann.
Die Botschaft, das Leben nicht so ernst zu nehmen und zu genießen, lieber die positiven Seiten auszudehnen und über den Mist nicht so lange nachzudenken ist eine, die ich mir selbst als grüblerische Natur immer wieder hinter die Ohren schreiben muss. Das fällt natürlich leichter, wenn die Botschaft in ein absolut großartiges Lied eingebunden ist, oder? :)

Von Sonata Arctica ist übrigens auch ein Lied, das mich beinahe jedesmal, wenn ich es höre, zuverlässig zum Weinen bringt: Under Your Tree.
Dieses Lied hat den Abschied vom geliebten Hund zum Thema und immer muss ich an meinen eigenen kleinen Hund denken, der in unserem Garten unter seinem persönlichen Baum ruht. Ok, bevor es wieder so weit ist, beende ich den Text mit einem weiteren Zitat aus eben diesem Lied und suche mal eben Taschentücher.

Invested feelings in the one I would outlast
My little friend is getting tired, fading fast…
Did not want to see the signs of the dimming flame
I thought we had more time
No, I don’t want to let you go
Tonight I fear I’ll say goodbye to my little friend
Don’t want to let you go…
(Sonata Arctica – Under Your Tree)


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09 Jul

Keep out! NaBloPoMo #9

Von welcher Person hoffst du, dass sie nicht deinen Blog liest? Wieso?

Zu diesem Thema wurden mir quasi schon ganz viele Worte aus dem Mund genommen, also denke ich jetzt einen Schritt weiter darüber nach.

Heute war ich für eine längere Autofahrt mit meiner Mama unterwegs, was heutzutage nicht mehr so oft vorkommt, wo ich jetzt ja schon seit einer Weile groß bin und selbst fahre. Manchmal kommt es aber doch vor, und da sitzen wir natürlich nicht schweigend nebeneinander und schauen auf die Straße.
Also unterhielten wir uns über alles Mögliche und irgendwann auch über Menschen. Spezielle Menschen, aber dann auch über Menschen allgemein und wir waren darin einer Meinung, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, Abstand zu denjenigen zu halten, die nur Negativität ins Leben bringen. Es gibt nämlich diese Menschen, die immer gleich negative Intentionen voraussetzen bei dem, was man sagt und tut. Da wird aus “Du hast vergessen, den Müll rauszubringen.” mal schnell “Du hast den Müll nicht rausgebracht, weil du genau weißt, dass er dann anfängt zu stinken und ich ihn dann müffelnd raustragen muss, wovon mir immer schlecht wird!” oder so.

Solche Menschen hätte ich dann, glaube ich, lieber nicht als LeserIn. Weil sie nämlich das Talent haben, alles so negativ wie möglich zu interpretieren, jedes Wort in ein schlechtes Licht zu rücken – und am Ende manchmal sogar wirklich erreichen, dass eins nicht mehr weiß, wie das denn eigentlich gemeint war und ob das nicht vielleicht doch objektiv böse und verwerflich ist, was dort geschrieben steht.
Ich wünsche mir also solche LeserInnen, die selbst, wenn ich mal unglücklich formuliere oder nicht ihre Meinung niederschreibe, davon ausgehen, dass ich das NICHT böse meine, weil ich überhaupt niemals jemanden mit diesen Texten hier verletzen will.

Ich wünsche mir LeserInnen, die, wenn sie meinen Text saublöd finden, nicht ihre ganze Abneigung ungefiltert in das Kommentarfeld kotzen (Entschuldigung), sondern entweder darüber nachdenken und konstruktive Kritik daraus machen, oder einfach die Klappe halten.
Das hat auch gar nichts mit Zensur zu tun, sondern einfach mit einer gewissen Ökonomie, denn wenn wir ehrlich sind, sind solche Kotzkommentare (Entschuldigung) doch für alle Beteiligten Zeitverschwendung:
Ich werde niemals aufgrund von Anfeindungen und Unfreundlichkeiten meine Meinung ändern, da denke ich mir doch bloß, dass da ein Depp etwas kommentiert hat und lösche den Kommentar.
Der/die Depp hat also absolut gar nichts erreicht – weil ja auch außer mir keiner den Kram liest – aber Zeit investiert, die bei einem schönen Spaziergang oder einer Tasse Kaffee oder Tee besser aufgehoben gewesen wäre.

Das sind jedenfalls die Dinge, die ich lieber mag als das Lesen unfreundlicher Kommentare.


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04 Jul

Aus dem Bauch heraus – NaBloPoMo #4

Wann hast du das letzte Mal wirklich herzhaft aus dem Bauch heraus gelacht?
fragt Frau Makellosmag in Sachen NaBloPoMo heute und ich schreibe nur zwei Sätze, denn mir ist zu warm und ich will mit meinem Buch raus unter einen Baum in den Schatten:

Obwohl ich auf der einen Seite am Bett und auf der anderen am Kind festgeschwitzt grummelig leidend dalag, heute Nacht um halb 5, als gerade der Zeitungszusteller mit seinem Auto so ganz ohne Auspuff seine Runde zwanzigmal um meinen Kopf beendet hatte, musste ich lachen, als mein Kind nach einer der wenigen wunderbaren Brisen, die durch das Schlafzimmer schlichen, leise im Halbschlaf murmelte: “Mama, der Wind hat mich gerade geschmust.”
Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es das Lachen bis in den Bauch geschafft hat, denn eventuell war ich auch zu träge dazu und lachte nur so in mir drin – ob der Unfähigkeit, mich zu bewegen, aber in meiner Erinnerung lache ich. Vielleicht auch ein wenig aus Verzweiflung.


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03 Jul

Geheimnisse – NaBloPoMo #3

Der NaBloPoMo-Denkanstoß für heute ist:
Schreibe über etwas, was die meisten Menschen nicht von dir wissen oder dir nicht zutrauen würden.

Mein erster Impuls was mehr so eine Art inneres Hin- und Herwinden. Meeh, darüber will ich nicht schreiben. Aber darum geht es ja, mal einfach drauflosschreiben, irgendwas mit Komfortzone und so.

Ich glaube, die meisten Menschen, die das hier lesen, wissen nicht, wie oft ich schon kurz davor war, alles zu löschen, was hier steht. Wie oft ich es sogar schon getan habe!
Die Domain besitze ich seit… 2002 glaube ich.
Bis ich dann 2008 dieses WordPress hier installiert habe (was sich seitdem auch gewandelt hat – optisch und inhaltlich), hatte ich diverse Varianten, die ich damals noch mit iframe in html geschrieben habe, online. Dabei ging es meistens um meinen Hund und Bücher – und es war absolut stinklangweilig, weil ich ständig hin- und hergerissen war zwischen dem Wunsch, zu schreiben und der Angst, zu viel preiszugeben.

Im Prinzip ist das bis heute geblieben.
Es macht mir Spaß, zu schreiben und mir Dinge auszudenken, sodass ich sehr oft denke “Hey, darüber könntest du doch mal bloggen!” Manchmal fange ich sogar an, schreibe mir was in mein Notizbuch oder lege einen neuen Beitrag an… und dann kommen die Grübeleien, über die ich ja gestern schon schrieb.

Ist das nicht zu persönlich?
Will das überhaupt einer lesen?
Was ist, wenn das jemand falsch versteht?
Und wenn jetzt blöde Kommentare kommen?
Und wenn GAR KEINE Kommentare kommen?
Ist das sachlich richtig?
Zu sachlich?
Zu subjektiv?

Das hält mich dann oft davon ab, zu veröffentlichen und stattdessen landen die Texte in irgendwelchen Ecken. Manchmal ärgere ich mich, manchmal bin ich froh.
Meistens aber denke ich, dass ich so gern mehr schreiben würde, weil ich immer, wenn ich andere Blogs lese, das Gefühl habe, in Kontakt mit tollen Menschen zu kommen. Aber ich habe halt auch oft das Gefühl, dass mein Geschreibsel in den Weiten des Internets verpufft, weil ich gar nicht weiß, ob jemand es liest, ob es gefällt oder blöde ankommt.
Wenn ich dann ganz ehrlich zu mir bin, stelle ich fest, dass die Leute, die ich so lese, das vermutlich auch nicht wissen, wenn ich nicht gerade einen Link hier einfüge.

Noch so etwas, das ich in unregelmäßigen Abständen mache: Mir vornehmen, mehr zu kommentieren…

Ok, meine 20 Minuten sind vorbei und der Sohn muss noch eingefettet mit Sonnencreme versehen werden, bevor er planschen geht.

Bis Morgen! :)


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02 Jul

Weggabelung (NaBloPoMo#2)

Wann musstest du in der Vergangenheit eine wichtige Entscheidung treffen? Mach dir Gedanken über das andere Leben, was sich daraus hätte ergeben können.

Ganz ehrlich:  Ich hasse Entscheidungen.
Meine ausgeprägte Neigung zum Grübeln sorgt dafür, dass ich gern ALLE Eventualitäten abgeklärt hätte, bevor ich mich für etwas entscheide.  Wirklich ALLE.
Dabei ist es dann aber so, dass sie alle – also die Eventualitäten – gleichzeitig in meinem Kopf herumschwirren und mich anbrüllen, sodass logisches Denken ziemlich schwierig wird. Ich versuche, mit Listen dagegenzuarbeiten, aber es ist nun einmal leider so, dass es vollkommen unmöglich ist, wirklich ALLE Sachen, die möglicherweise durch eine Entscheidung beeinflusst geschehen könnten, durchzudenken. Das weiß ich auch, ändert aber nichts.

Bei den meisten Entscheidungen war es dann in der Vergangenheit so, dass ich so lange gegrübelt habe, bis ich vollkommen verwirrt war. Dann habe ich versucht, mir vorzustellen, wie mein Leben wäre, wenn… und dann wurde mir irgendwie klar, dass sich etwas in mir (Bauchgefühl oder so) gegen alle Varianten außer einer sträubt – die wurde es dann und im Nachhinein war das auch immer gut so.
Jetzt liegt natürlich der Gedanke nahe, dass ich mir dieses ganze Chaos und das Grübeln und die brüllenden Eventualitäten in meinem Schädel sparen könnte, wenn ich gleich auf meinen Bauch hörte – aber das funktioniert wohl nicht.
Ich glaube, all das ist nötig, damit mein Bauchgefühl letztendlich die Richtung kennt oder so… vielleicht nährt es sich aus dem Grübeln und ist sich erst danach wirklich sicher.

Bei einer Entscheidung allerdings war es anders. Gründlich anders.
Das Kind.
Schon seit einer Weile dachten wir darüber nach, dass es ja schon nett wäre, eine Familie zu gründen. Aber zuerst zu Ende studieren, dann etwas arbeiten, Geld verdienen, ein Zuhause schaffen und irgendwann dann, in ein paar Jahren, wäre der richtige Zeitpunkt. Wie man es eben so macht, eins nach dem anderen.
Dann allerdings geschah ein schrecklicher Unfall, der meinen Schwager das Leben kostete. Plötzlich saßen wir da, die ganze (Rest-)Familie in einem Haus, hilflos, verständnislos trauernd. Hielten uns aneinander fest, für eine Weile stand die Welt um uns herum still.

Dann, irgendwann, nach einiger ganzen Weile, kam langsam das Leben zurück und damit die Erkenntnis: Es könnte ja sein, dass dieses Irgendwann gar nicht eintritt. Es könnte irgendwann auch mal zu spät sein – und dann?
Warum nicht das, was man gern möchte, tun – wenn es auch nicht die “richtige” Reihenfolge ist, in der “man normalerweise” diese Dinge tut? Warum verkrampft planen und denken und überlegen – und sich dabei selbst im Weg stehen?
An diesem einen Punkt haben wir also mal weniger geplant und die Dinge mehr auf uns zukommen lassen, kein Grübeln, keine brüllenden Eventualitäten.

Jemand hat mal zu mir  gesagt, dass es überstürzt war, so zu handeln, aber wenn ich mir meinen wunderbaren Sohn anschaue, der nicht nur den (zweiten) Vornamen, sondern auch den wahnsinnigen Sturkopf von seinem Onkel hat, finde ich das nicht.
Es war genau richtig so.


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01 Jul

Ich mach mit beim NaBloPoMo – Tag 1

Schon seit einer Weile denke ich, dass ich ja mal wieder bloggen könnte. Und schon seit einer Weile komme ich nicht dazu.
Jetzt aber hat Frau Makellosmag den NaBloPoMo ausgerufen und da dachte ich mir: Das könnte genau die richtige Menge an Druck sein, die ich brauche, um es zu tun, ganz wirklich.
Das Schöne an der ganzen Aktion ist, dass ich mir nicht einmal Themen ausdenken muss! Wenn mir eins einfällt, kann ich das nehmen, und wenn nicht, gibt es Themen des Tages.

Heute heißt es:
“Großartig und noch großartiger – Was macht einen großartigen Blog aus? Was bringt dich dazu, einem Blog zu folgen oder einen Post zu ‘liken’?”

Was ist denn ein großartiger Blog?
Ein großartiger Blog macht mir Spaß, regt mich zum Nachdenken an oder liefert mir Dinge, die meinen Tag schöner machen. Dabei muss das, was dort steht, gar nicht immer meiner Meinung entsprechen – Horizonterweiterung ist nämlich prima und ich mag es, andere Sichtweisen zu betrachten und zu überlegen, was davon vielleicht meine Sicht der Dinge bestätigen, korrigieren oder gar revolutionieren kann.

Thematisch ist das, was ich so lese, sehr weit gestreut. Da gibt es Mamablogs, und feministische Blogs, solche, die sich mit Montessori-Pädagogik befassen, die von KünstlerInnen gemacht werden, Medienkritische, Reisejournale, Selbstmachblogs und auch solche, die einfach zu (in meinen Augen, so aus der Ferne betrachtet) tollen Menschen gehören und thematisch sehr vielseitig sind. Sicher habe ich noch ein Thema vergessen – aber das ist für mich das Schöne am Bloglesen: Die Vielseitigkeit. Ich suche mir auch Dinge, die in deutschen Medien gar nicht stattfinden (Art Journals zum Beispiel) und “Nischenthemen” heraus.
Vielleicht liegt hier auch die Gefahr, sollte jemand sein Weltbild und sein Wissen ausschließlich aus Blogs beziehen: Eins lebt schon in einer gewissen Filterbubble auf diese Weise und bekommt vom “Mainstream” nichts mit. Ob das nun so schlimm ist… Nunja.  :)

Es ist jedenfalls wunderbar, wie viele Blogs es gibt, in denen kluge Menschen ihre persönliche Weltsicht beschreiben und ich staune immer wieder, WIE gut das ist, was ich da finde. (Im Gegensatz dazu staune ich auch über die Qualität des “Qualitätsjournalismus”, aber das ist ein anderes Thema)
Außerdem ist es wunderbar und inspirierend, wie viele wahnsinnig talentierte und kreative Menschen ihre Werke im Internet zeigen, Tipps geben, Anleitungen verfassen, u.ä.

Das Schönste ist aber: Ich brauche gar nicht furchtbar viel Zeit (die ich ja ohnehin nicht habe) zu investieren! Dank meines Smartphones kann ich immer mal wieder etwas lesen – beim Frühstück anstelle der Zeitung (ich sagte bereits, die enttäuscht mich immer öfter…), zwischendurch beim Warten auf den Bus, das Kind oder Godot oder Abends auf dem Sofa – ganz gemütlich habe ich all diese klugen, kreativen und/oder witzigen Menschen (auf platzsparende Weise) dabei.
Super, oder?

Hier also noch einige Leseempfehlungen (da ich ja mein Monatsmofa sträflich vernachlässigt habe):
Makellosmag habe ich schon, lohnt aber immer wieder.
Journelle – kann ich gar nicht oft genug sagen
Herzdamengeschichten – Buddenbohm und Söhne bloggen hier, ab und zu backt die Herzdame im schicken Kleid. (Bei mir immer wieder der Verdacht, mein Sohn vertrüge sich großartig mit Sohn 2)
Mama arbeitet – Sie hat sich neulich die Petition gegen die Bundesjugendspiele ausgedacht und wird dafür geliebt und gehasst.
Bildblog – ganz klassisch
Topfvollgold – erschreckend, zum Lachen und zum Weinen zugleich
kitchencat – Liebevoll und selbstgemacht :)
Eltern vom Mars – ein sehr liebevoller Montessoribezogener Blog mit vielen schönen und vor allem alltagstauglichen Ideen

Ich höre jetzt auf, sonst wird die Liste zu lang. Sollte sich aber jemand für eines meiner aufgezählten Themen brennnnnnnend interessieren, beantworte ich natürlich gern Fragen.