14 Jul

Hallo altes Haus!

Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, würde ich (zuerst) ins Jahr 1705 reisen, um zu sehen, was die Menschen umtrieb, die für das hier verantwortlich sind:
1705

Es wäre für mich natürlich unheimlich spannend, zu sehen, wie das Haus, in dem ich wohne, vor über 300 Jahren ausgesehen hat – wie der Ausblick damals so gewesen ist und was hier so los war.

Aber am spannendsten wäre es, mit den Menschen zu reden, die hier wohnten und an diesem Haus gebaut haben. Nach allem, was mir so erzählt wird, hat derjenige, der diese Zahl in den Balken in unserem Flur schnitzte (oder eben das beauftragte) das Haus nicht neu gebaut, denn die bruchsteinernen Grundmauern sind noch älter. Was ging also vor in den Leuten, die das Haus damals nutzten? Empfanden sie dasselbe wie wir heutigen Bewohner für dieses Gebäude?
Vermutlich nicht, denn erstens war es wie ich gehört habe eine Pferdewechselstation (an der alten Köln-Leipziger Handelsstraße) und nicht in erster Linie ein Wohnhaus, und zweitens war ein Haus wie unseres damals schlicht und ergreifend normal. Hier oben auf dem Hügel werden alle Häuser mehr oder weniger so ausgesehen haben, und wahrscheinlich wurde auch in fast jedem dieser Häuser eine Zahl oder noch mehr in den Balken geschnitzt.

Das Außergewöhnliche an diesem Haus sehen und empfinden wir erst heute, wo um uns herum wesentlich jüngere Häuser – teilweise Neubauten – stehen und wir in der Ururur…oma all dieser Gebäude leben. Die Jungspunde stehen alle aufrecht und gerade um ihren Urahnen herum und belächeln das Haus, wie es etwas krumm und schief dasteht, mit seinen dicken Balken, die ab und zu mal knarzen und unserer Pflege bedürfen. Aber werden sie alle in 300 Jahren noch dort stehen und grinsen? Ehrlich gesagt kann ich mir gut vorstellen, dass unser Haus dann immer noch da ist und die Bewohner das, was wir heute aus oder mit ihm machen bewundern. Vielleicht empfinden sie dann dieselbe Dankbarkeit, die ich empfinde, wenn ich die alten Balken mit schützender Lasur streiche eincreme, dasselbe Glück, in diesem besonderen, alten Haus leben zu dürfen. Es hat Charakter. Einen Charakter, der sich zusammensetzt aus all dem, was es erlebt und gesehen hat und all dem, was die vielen Menschen, die es über die Jahre besessen haben, mit ihm gemacht haben. Ich bin heute extrem dankbar dafür, dass die Menschen damals sich so große Mühe mit dem Bauen gegeben haben, dass sie wahnsinnig lange und dicke Balken aus wahnsinnig schwerer Eiche heranschleppten, um dieses Haus so stabil zu machen und dass sie sie alle so zusammenfügten, dass sie heute noch halten.

Und ich bin dankbar, dass vor über 30 Jahren zwei mutige Menschen (zu deren Familie ich heute gehöre) den wahnwitzig anmutenden Entschluss fassten, diesen pflegebedürftigen Haus-Urahnen zu kaufen und seine Macken und Wunden zu versorgen. Wenn man sich anschaut, wie es ausgesehen hat, war das beim besten Willen keine leichte Aufgabe:
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Sie haben es gewagt, sich des Hauses anzunehmen und es mit Leben zu füllen, und darüber bin ich sehr froh, denn sonst könnte ich heute nicht auf dem Gerüst im 2. Stock stehen, Farbe auf die alten Mauern pinseln, hinter denen ich wohnen darf und mir dabei vorstellen, wie das damals war, 1705 oder wann immer dieses alte Haus geboren wurde.

Mittlerweile sieht es (aus einer ähnlichen Perspektive wie das oben) ungefähr so aus, außer, dass ich eben nicht mit drauf bin, wie ich dastehe und streiche. ;)
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03 Jul

Wuaah! Die Monster schlüpfen.

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Buh!
Es ist Monsterschlupfsaison.
Doch glaubt bloß nicht, dass es bei diesem einen geblieben ist – REIHENWEISE sind sie geschlüpft!
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Irgendwie werde ich den Gedanken nicht los, dass hier die Inspiration für gewisse Alien-Darstellungen zu finden ist. Stellt euch diese Dinger in riesig vor und mit ganz viel Schleim!

 Nun erzähle ich euch aber mal die ganze Geschichte von Anfang an:
Ich habe einen nicht unerheblichen Teil des letzten Sonntagvormittags bäuchlings am Teichufer liegend verbracht, den Fotoapparat im Anschlag, denn es gab – bitte entschuldigt die pathetische Formulierung – ein kleines Wunder der Natur zu beobachten.

Ein Vorher-Foto darf natürlich nicht fehlen. Darf ich vorstellen: Monster – vorher.
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Es sieht ja schon nicht unbedingt besonders… nunja, schön aus, wie es da so sitzt mit seinen immensen Glubschaugen, den zahlreichen Beinen und dem langen Hinterleib, außerdem hat es gut getarnt unterhalb des Mauls einen fiesen, schnellen Greifarm, mit dem es Beute grabschen und sich ins Maul schieben bzw. zum Abbeißen davor halten kann.
Aaaber! Ich mag sie trotzdem, diese kleinen Monster, denn was daraus schlüpft, ist ein extrem faszinierendes Tier, das eigentlich jeder schön findet. Man kann sich allerdings lebhaft vorstellen, dass diese unschöne, braune Larve noch einen weiten Weg vor sich hat, um zum schönen Schwan zu werden.
Bevor sich jetzt jemand wundert: Es steht eindeutig fest, dass daraus kein Schwan schlüpft! Das sagt man halt so, meine Güte.

Ok, jetzt geht es aber los. Da ich von dem nun folgenden Metamorphosevorgang richtig viele Bilder gemacht habe, packe ich jetzt mal kleine Bilderstrecken, dann müsst ihr nicht so viel scrollen. Klick auf das Bild macht es größer.

Jetzt geht’s aber wirklich los. Echt jetzt:
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Erwartet noch jemand außer mir, dass es jetzt gleich aufspringt, sich einen Hut aufsetzt und zu tanzen beginnt?

Welch ein Kraftakt muss es sein, sich aus seiner eigenen Haut zu schälen?
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Man konnte richtig beobachten, wie sie mühsam ein Bein nach dem anderen aus der Larvenhaut herauszieht, sich dann immer schubweise weiter vorarbeitet und zwischendurch immer wieder verschnaufen muss.

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Ein bisschen sieht es so aus, als betrachte sie jeden Fuß, den sie hervorgepult hat, absolut fasziniert und begeistert von ihren neuen Errungenschaften.
Ich finde, schon beim dritten Bild sind wir an dem Punkt angelangt, an dem man sich fragt, wie um alles in der Welt dieses riesige Tier in die Larve hineingepasst hat – hier findet eine Entfaltung im wahrsten Sinne des Wortes statt. :)

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Nachdem sie ausreichend bestaunt wurden, werden die “neuen” Beinchen ausgiebig gestreckt, angewinkelt und… naja, etwas gefuchtelt eben. Nach und nach enfalten sich dann auch die Beine richtig, was man daran sieht, dass sie Haare bekommen. ;)
Während unser kleines Tierchen also noch kopfüber ein wenig Yoga macht, kommt – buuuh – am Nachbarhalm schon das nächste Monster auf mich zugekrochen, dem dieselbe Reise bevorsteht wie dem Kollegen nebenan. Doch erst muss es in der Sonne trocknen und noch ein wenig Kraft sammeln.

Die Yogaphase dauerte für mich, die ich auf dem Bauch auf der Erde lag, mit leicht durchgeweichten Jacken-Ellenbogen und einigen Steinen, die mich pieksten und nervten, eine gefühlte Ewigkeit. Ich hatte schon begonnen, Motivationsrufe auszustoßen und mich gefragt, ob mein Fotomodell wohl bei der Arbeit eingeschlafen sein könnte, da…

SCHWUPP
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Einmal Bauchmuskeln anspannen, an der alten Haut (die übrigens bemerkenswert fest an diesem Halm hält, selbst, wenn ihr Bewohner schon längst auf und davon ist) festgeklammert, ein wenig gewackelt und raus mit dem Hinterteil. Ich fühlte mich an abendliches “aus den Jeans pellen” in meiner Teenagerzeit erinnert. ;)

Nachdem sich das Tierchen jetzt fertig aus seiner alten Larvenhaut “gepellt” hat, erkennt man doch schon recht gut, was es mal werden möchte, oder? Genau, eine blaugrüne Mosaikjungfer! :)
Ein extrem wichtiger Schritt fehlt aber noch: Flügel ausrollen.

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Auch das muss unendlich anstrengend für die Libelle sein, denn ihr ganzer Körper pulsierte dabei rhythmisch und das Ganze dauerte fast so lange wie die Yoga-Phase zuvor.

Nachdem die Flügel dann vollkommen ausgebreitet sind, dauert es noch eine ganze Weile, bis sie sie ausbreitet. Vermutlich muss sich das arme Tierchen erst einmal erholen von dieser anstrengenden “Geburt”. Danach sitzt es dann noch ein paar Stunden in der Sonne und die Flügel werden nach und nach immer transparenter, bis die Libelle endlich fertig ist.
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Wenn man ihr nicht allzu genau ins Gesicht schaut, ist die Libelle wirklich ein wunderschönes Tier. Das Gesicht erinnert ein wenig an das Monster vom Beginn, insbesondere mit den immensen Kauwerkzeugen… Aber sie glitzert, und sie fliegt, und sie ist bunt, im Gegensatz zum Monster. :)

01 Jul

Was mir Spaß macht – Juni 2013

Zum Anfang der Junisammelwut mal ein lustiges kleines Spiel: Candies.
Wenn man viel am Computer arbeitet, kann man dieses extrem simple Browserspiel einfach im Hintergrund laufen lassen, so Candies und Lollipops sammeln und ab und zu mal ein Quest erledigen, um Items zu sammeln und mehr Candies und Lollipops zu sammeln. Später kann man auch Tränke brauen und mehr und bessere Ausrüstung kaufen und… weiter bin ich noch nicht. Es kostet nicht viel Energie, macht aber Spaß und bringt ab und zu mal etwas Luft in den Kopf. :)

Diesen Beitrag hier bei Kleinerdrei habe ich mehrfach gelesen und kann ihn einfach nur empfehlen. Mit Schrecken beobachte ich in der letzten Zeit, wie sehr kleine Mädchen in die “rosa Ecke” gedrängt werden und frage mich, wie sich das später auswirken wird, beispielsweise auf die Zahlen an weiblichen Studenten in naturwissenschaftlichen Fächern. Als ich klein war, gab es ein Lego für alle und kleine Mädchen durften Hosen tragen. Auch blaue. Heute habe ich fast schon das Gefühl, dass die Eltern die Mädchen von Kopf bis Fuß rosa einkleiden “müssen” (warum auch immer) und ich sehe kleine Mädchen, die bei Wind und Wetter Miniröckchen tragen, anstatt schön warm eingepackt zu sein.
Aber was machen wir mit unseren Kindern, wenn wir sie so früh beschränken, indem wir sie als Junge oder Mädchen “markieren”, sodass kein “echtes” Mädchen ist, wer nicht rosa trägt und kein “echter” Junge, wer rosa mag? Mphf.
Es passierte tatsächlich, dass zwei kleine Mädchen meinen Sohn im Kindergarten fragten, ob es ihn denn nicht störe, dass auf seinem Garderobenbildchen eine der beiden Eiskugeln in der Eistüte rosa sei. Ihn störts nicht. Er mag auch (my little) Ponies und Haarspangen. Genauso gern wie Autos und Traktoren.
Genau hier liegt der Knackpunkt: Ich habe überhaupt GAR nichts dagegen, dass er Autos und Traktoren mag. Genauso sollen kleine Mädchen, wenn sie mögen, mit Püppchen spielen und rosa tragen. Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es allerdings sehr, sehr oft so, dass die Kinder das nicht selbst wollen, sondern eben gesagt bekommen, dass man das als Junge/als Mädchen so tut.
Als unser Sohn zum dritten Geburtstag eine Spielküche bekam, gab es tatsächlich Familienmitglieder, die das komisch fanden. Genau das nervt mich: Er hat eben riesigen Spaß daran, mir Brokkolikaffee zu machen oder ein Spiegelei zu braten. Wenn er bei seiner Omi ist, schiebt er mit Wonne einen (eigentlich als Dekoration gedachten) Puppenwagen umher und kümmert sich rührend um sein “Baby”. Warum soll er das nicht dürfen – bloß, weil er ein Junge ist? Kinder wollen die Welt entdecken und sich alles angucken. Alles. Um dann zu entscheiden, was sie am liebsten mögen, was ihnen entspricht und Spaß macht. Und ich finde, alle Kinder sollten die Chance haben, alle möglichen Sachen mal zu probieren, ohne Etikett, zu welchem Geschlecht etwas gehört. Wenn sie dann als Mädchen lieber Tierärztin werden wollen einen MINT-Beruf zu ergreifen, ist das vollkommen in Ordnung, solange sie die Wahl haben.

Puh, das war ein langer Text und ich habe zwischendurch überlegt, einen eigenen Beitrag daraus zu machen, aber dafür hat es dann doch nicht gereicht. :)

Jetzt habe ich noch einen Link, der mich nach meinem letzten “Was mir Spaß macht”-Artikel erreichte und der ein wenig gefährlich ist, weil stellenweise recht kalorienreich. ;)
No Kitchen For Old Men.
Miam! Vor allem diese Sache mit den Pastasaucen hat es mir angetan, denn ich bin ein Nudelmonster. Am meisten lieeeebe ich Spaghetti Carbonara, kann die aber nur essen, wenn sie selbstgemacht sind (Laktose und so) – wenn ich mir nur die Bilder anschaue, läuft mir das Wasser im Mund zusammen.
Oh, mir fällt gerade auf, dass dieser Link irgendwie zum Text darüber passt, denn die Blogbetreiber Jim und George sind vermutlich auch der Meinung, dass mein Sohn so viel in seiner Küche umherbrutzeln soll, wie er mag. :)

Ich habe den Link zum nun folgenden Video schon getwittert, aber es kann ja nicht schaden, wenn ich das hier nochmal wiederhole: Der Sänger von Machinae Supremacy über Filesharing und wie das so bei ihnen als Band so gelaufen ist. Klick hier fürs Video.
Er hat recht: Sharing is Caring, denn was ich selbst nicht mag, würde ich auch nicht teilen wollen. Ich finde es außerdem sehr angenehm, dass er den “normalen” Musikbetrieb nicht strikt verteufelt, sondern einfach einen Weg aufzeigt, diesen zu ergänzen.
Allerdings ist er wohl auch in einer sehr privilegierten Position, denn Metalfans sind (meiner Erfahrung nach) ein relativ solidarischer Haufen, der gern kauft, was er mag.
Achja: Die Band ist übrigens auch einen Klick wert – man kann auf ihrer Website ihre Musik ganz legal herunterladen. :)

Zum Schluss noch ein Tweet, zum Abrunden: