31 Jan

Ein Welpe?!?

Noch ein Text von/über Vicy, diesmal aus der Zeit meiner Schwangerschaft. ;)

Wir bekommen einen Welpen.
Frauchen erzählt es mir immer und immer wieder und unter uns gesagt: Das ist ‘ne Schnapsidee!
Ja, ich weiß, wie das klingt… der alternde Yorkie, der seine Menschen nicht mit einem Anderen teilen will, aber so ist das nicht! Ich beklage mich ja schließlich auch nicht über diese unsägliche Katze, die hier seit einer Weile haust und sich auf MEINEM Sofa breit macht!
Es ist wirklich eine Schnapsidee, und es wird auch nicht gutgehen, das weiß ich jetzt schon. Ich habe das im Gefühl, glaubt es mir. Ehrlich, also… ich will ja nicht indiskret sein, aber es ist einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Frauchen hat sich ziemlich verändert in der letzten Zeit. Sie ist, um es mal klar auszusprechen (denn das muss ja auch mal sein) ganz schön fett geworden, und träge. So viel geschlafen wie in der letzten Zeit hat sie noch nie und wie oft höre ich beim Spaziergang “Pass auf, hier ist Eis, Frauchen fällt sonst hin!”. Wie bitte? Sonst war sie immer um mich besorgt und nicht um sich selbst. Aber klar, sonst hat sie ja auch nicht so eine riesige Tonne vor sich her geschoben. Und ihr solltet ihr Ächzen hören, wenn sie mich vom Boden aufhebt oder wenn sie mir meinen Napf hinstellt… nicht schön, sage ich euch. Ich beklage mich ja nicht, es ist ja ihr Körper, aber muss sie sich in dem Zustand auch noch einen Welpen zulegen? So ein kleines Miststück, das alles annagt, überall hinpinkelt und dauernd nervt?
Mal ganz davon abgesehen, dass sie… das ist ja noch das Beste! Erzählt sie mir doch glatt, es handle sich um einen “haarlosen Welpen”! Ich dachte wirklich, ich kann nicht mehr. Dass sie keinen von denen haben will, die Fell in dicken Flocken verlieren, jetzt, wo sie sich kaum noch bücken kann und das mit dem Putzen zur Qual wird, bitte, das verstehe ich ja, aber ein NACKTHUND? Da mache ich mich doch völlig zum Affen, wenn ich mit so einem an meiner Seite rausgehe! Was glaubt ihr, was Rico dazu sagen wird? Der lacht sich doch tot, der mit seinem luxuriösen Super-Colliefell, der gibt ja so schon immer damit an und erklärt mir, dass ich “zu nackig” sei. Dabei habe ich rundum Fell… was sagt der erst zu einem ganz nackten???
Und überhaupt… an wem wird das denn wieder alles hängen bleiben? Die Erziehung, dem Zwerg beizubringen, wie man richtig bettelt und das alles? Natürlich, an mir (…auch, wenn der hoffentlich nicht so lernresistent ist wie diese widerliche Katze…)! Ich sage es doch, eine Schnapsidee!

28 Jan

Hundemorgen

In einer wenig besuchten Ecke meiner Festplatte habe ich alte Texte gefunden. Damals hatte ich überlegt, eine Art Hundetagebuch über Vicys Leben zu schreiben, doch irgendwie ist nicht viel zusammengekommen, weil ich immer dachte, dass es von diesen Hundetagebüchern mehr als genug gibt. Jetzt, wo sie nicht mehr da ist, hätte ich gern mehr davon zum Lesen, weil es so viel sagt über unser Zusammenleben mit all diesen alltäglichen Kleinigkeiten. Wenn ich ehrlich bin, sagt es natürlich mehr über mich aus – also, über das damalige “Ich” – doch auch darüber, wie ich meinen Hund gesehen habe und darüber, wie ich dachte, dass mein Hund mich sieht. Aber auch über Vicys Eigenheiten, die vermutlich jeder Hundebesitzer in ähnlicher Form kennt und die ich so sehr vermisse, weil sie mir erst klar machen, wie sehr sie allein durch ihre Anwesenheit mein Leben bereichert hat.
Ich denke, sie hätte nichts dagegen, dass ich diese Texte jetzt mit euch teile.
Also los:

Hundemorgen

Mein Tag beginnt zu sehr unterschiedlichen Uhrzeiten, je nach Wochentag und Semester. Aber egal wann, meist wache ich von der fiesen Weckermelodie und von Frauchens unwilligem Brummeln auf. Aber es gibt keinen Grund zur Hektik, soviel ist klar: Sie wird den Wecker noch ein paarmal ausschalten, bevor sie sich – oftmals mit erneutem Gebrummel oder gar energischerem Fluchen – erhebt. Ich brauche mich also erst zu rühren, wenn ihre Füße den Boden vor meiner Schlafhöhle berühren. Dann stehe ich auf, schlurfe zum Bettvorleger und strecke mich dort erst einmal genüsslich. Ein paarmal gähnen, schmatzen, einmal am Ohr kratzen – soviel Zeit muss sein!
Je nachdem, wie oft Frauchens Wecker geklingelt hat und wie ihre Reaktion war, variiert dann das Folgende ein wenig: Bei weniger Ausschalten und leichtem Gebrummel begrüßt sie mich freundlich, krault mich und hebt mich sogar hoch, um mich zu knuddeln (worauf ich verzichten könnte, ich will Frühstück!), hat sie aber geflucht und den Wecker sehr oft ausgeschaltet, werde ich nur mit knappem „Guten Morgen!“ begrüßt, bevor sie ins Bad hechtet. Obwohl ich mir das überflüssige allmorgendliche Waschen, Fell bürsten und Zähne putzen spare, bin ich natürlich dabei. Also auf ins Bad!
Während Frauchen also tut, was Menschen so tun Morgens – ich habe es aufgegeben, diesen Aufwand verstehen zu wollen – gebe ich mich meinem persönlichen Morgenritual hin: Der flauschige Teppich vor der Badewanne gehört in den nächsten Minuten mir! Zuerst wälze ich mich genüsslich darauf, und zwar das volle Programm mit Bart schubbern und Rücken kratzen, mit Hintern reiben und Ohren schlackern! Dann, Frauchen ist meist schon hinter dem Duschvorhang verschwunden, rolle ich mich zufrieden auf dem weichen Teppich zusammen und schlafe noch eine Runde, denn ich weiß: Steht Frauchen erst einmal hinter ihrem widerlichen, warmen, künstlichen Regen, kommt sie so schnell nicht mehr wieder heraus.

(Irgendwie erscheint mir der Text unfertig, doch aus der heutigen Position heraus bin ich nicht in der Lage, ein griffiges Ende zu finden. Vielleicht irgendwann, mit mehr Abstand.)

14 Jan

Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner

Nachdem ich neulich leichtsinnigerweise als Spontankauf in einem Discounter ein Wimmelbuch mitgenommen habe, ist mir bewusst geworden, wie riesig die Qualitätsunterschiede hier sein können. In diesem Buch sind lieblos irgendwelche Bilder in verschiedenen Malstilen, Perspektiven und Farben ineinanderkopiert, gern auch mehrmals dasselbe auf einer Seite, manchmal passen sie auch noch dazu nicht einmal wirklich zusammen. Also lohnt es sich auch, Rezensionen zu Bilderbüchern zu verfassen! :)

Seitdem weiß ich nämlich erst richtig zu schätzen, wie wunderbar die Bücher von Rotraut Susanne Berner sind! Jakob bekam von meiner lieben Kollegin das Frühlings-Wimmelbuch in der Midi-Ausgabe zum ersten Geburtstag geschenkt und er liebt es immer noch. Längere Autofahrten über hält er es in Händen und erzählt uns, was er sieht, manchmal kommt er damit auch zu Hause einfach an und möchte zeigen, was er wieder entdeckt hat – oder möchte wissen, wie etwas heißt.
Ich glaube auch, dass er noch sehr lange Spaß daran haben wird, weil sich das Buch gewissermaßen an das Alter des Kindes anpasst. Am Anfang hat er nur “Traktor” und “Hund” darin gefunden, weil er eben noch nicht so viele Wörter konnte, doch je mehr er lernt, desto mehr Dinge erkennt er und freut sich darüber.

Noch dazu sind gerade diese Bücher von Rotraut Susanne Berner einfach wunderschön gestaltet. Es sind immer dieselben Figuren, deren Alltag man über die Jahreszeiten hinweg (und noch mehr, allerdings ist Jakobs Bibliothek da noch lückenhaft) verfolgen kann, auch dieselben Tiere und Umgebungen. Man verfolgt also beispielsweise die Katze Monika über die verschiedenen Seiten des Buches, kann zusehen, wie sie eine andere Katze kennenlernt und dann irgendwann auch mal einen Hund trifft. Oder man beobachtet einen Jogger, der sich eine Zeitung kauft, daraufhin dummerweise gegen einen Laternenpfahl joggt und von einer netten Dackelbesitzerin verarztet wird, die dann dabei hilft, eine neue Joggignhose zu kaufen, weil die alte ein Loch hat und dabei – totaaal süß! – eine Rose in der Hand hält.
Ihr merkt schon, ich bin begeistert! Auch als Erwachsener entdeckt man in diesen Büchern immer wieder etwas, obwohl man das Buch nun schon tausendmal in der Hand hatte. Manchmal verblüfft es auch, dass ein Kind schon mehr erkennt und versteht, als man glaubt. :)
Der Anguckspaß ist deswegen auch nahezu unendlich. Man kann ja nicht nur die verschiedenen Leute beobachten und immer wieder auf etwas anderes achten, sondern auch mit dem Kind gemeinsam das Buch durchblättern und sich jedesmal eine neue Geschichte dazu ausdenken. Wenn das Kind einen lässt und nicht immer dasselbe hören mag… ;)

Oh und nicht zu vergessen: Es ist einfach sehr schön gezeichnet! Figuren, Tiere, Häuser, Bäume… alles hat einen hohen Wiedererkennungswert, ist mit liebevollen Details versehen und schön bunt, aber eben nicht überladen oder lieblos zusammenkopiert.