22 Nov

Tasche nähen

Selbst Leute, die mich gut kennen, wundern sich manchmal darüber, was ich immer alles dabei habe. Erstmal sind es eigentlich die “normalen” Sachen wie Handy, Geldbeutel und Schlüssel, die immer mit müssen. Dann aber noch mehr unentbehrliches: Mein Kalender, Taschentücher, Asthmaspray, Kulis, Notizblock, Labellos, Pflaster, Nageletui, Bleistift, Laktasetabletten, USB-Stick… Und manchmal kommen dann noch andere Sachen dazu: Halstuch, Spielzeug, iPod, Gummibärchen, Vorhängeschloss, Windeln, Bücher, Mütze, Handschuhe, Laptop, Geldbeutel und Schlüssel meines Mannes, Kinderklamotten, Fotoapparat mit Ersatzakku… Die Liste könnte noch vieeel länger sein. :)
Die Problematik wird deutlich, oder?
Ich brauche eine riesige Tasche. (Werde nie verstehen, wie manche Frau mit so einem winzigen Ding, das man sich unter die Arme klemmt, auskommt, mancher Mann gar nur mit seinen Hosentaschen!) Diese muss ausreichend Fächer beinhalten, um diese ganzen Utensilien sinnvoll zu verstauen (damit man an der Kasse nicht 8 Jahre nach dem Geldbeutel wühlen muss), muss immer zu meinem Outfit passen (also schwarz sein), muss einen langen und breiten Tragegurt haben, damit ich sie über die Schulter hängen kann, muss verschließbar sein und relativ robust, da sie ja nun immer dabei ist und täglich benutzt wird.
So etwas zu finden ist… hm, spontan fällt mir der Begriff “Eierlegende Wollmilchsau” ein.

Es blieb mir also nur, mir selbst eine zu nähen, und zwar genau so, wie ich sie haben will. :)

Wie schon beim ersten Projekt gibt es erstmal ein paar Fotos vom fertigen Objekt, denn die Tasche ist schon seit über einem halben Jahr in Benutzung und hat sich derweil als ausgesprochen tauglich erwiesen:

   

Die Konstruktion ist so gebaut, dass der Tragegurt um die Tasche herum geht und gleichzeitig den Boden bildet, zudem gibt es eine Innentasche aus demselben Material, die in die einzelnen “Untertaschen” untergliedert ist.
Was die Maße angeht, habe ich mich grob an denen einer Kampftasche orientiert und dann an den Stellen, an denen diese mir immer zu klein war, noch etwas zugegeben. Der Tragegurt ist zum Beispiel so lang, wie ich ihn immer eingestellt hatte. Bei der Breite habe ich etwas zugegeben, und zwar so viel, dass mein MacBook hineinpasst. Die Höhe habe ich ebenfalls großzügiger bemessen, wobei ich hier irgendwie etwas genommen habe, was in meinen Augen gut aussah.

Ein grober Schnitt sieht dann in etwa so aus:
(in der Mitte bildet der Tragegurt den Boden.)
Dazu erst einmal die ersten Außenmaße:
Gesamtlänge des Tragegurtes inkl. Boden: 2,30m (ja, tatsächlich!)
Breite des Bodens: 16cm
Breite des Tragegurtes oben: 8cm
Breite der Seitenwände: 37cm
Höhe der Tasche: 30cm

Was braucht man?
Stoff: Ich habe einen robusten, nicht dehnbaren Breitcord-Stoff genommen, von dem ich unendlich viel gekauft habe, kann also nicht wirklich sagen, wie viel man braucht. Habe denselben Stoff für außen und innen genommen, wer anderen Futterstoff möchte, braucht dann eben zwei verschiedene Stoffe. Die Anleitung habe ich nach Futter- und Außenstoffen unterteilt.
Reisverschluss ist optional, man kann die Tasche sicherlich oben auch offen lassen oder anders verschließen.
Toll ist an diesem Stoff, dass er kleine Fehler verzeiht, weil er selbst eine Struktur hat und weil die Nähte in ihm quasi verschwinden. Dadurch sieht mein dilettantisches Genähe besser aus als es ist. ;)
Polsterung: Ich habe unterschiedliche Materialien verwendet: Einmal eine ganz dünne Vlieseline, die sich fast ein wenig wie Pappe anfühlte und dann noch etwas dickeres Material, auf dem ebenfalls Vlieseline steht, das aber mehr wie etwas dünnerer Schaumstoff ist, etwa 5mm dick.
Gelbstift (oder so), Stecknadeln, Nadel und Faden…
Da ich meine Tasche komplett Abends, wenn Jakob schon im Bett war, genäht habe, musste ich (des Krachs wegen, seeehr alte Nähmaschine) alles von Hand nähen. Geht aber ganz gewiss größtenteils auch mit der Maschine.

Schritt für Schritt Anleitung:
(Achtung: Das ist mein erstes selbstentworfenes und komplett selbst genähtes Stück, ich habe eigentlich nicht viel Ahnung gehabt, was ich da tat. Dementsprechend kann meine Vorgehensweise für gelernte Schneider oder sonstige Profis vielleicht komisch klingen, das tut mir leid. Wenn etwas unklar ist oder jemand einen Tipp hat, bitte gern mailen!)

Schritt 1: Schnittmuster zeichnen. Dazu ist eine Packpapierrolle am praktischsten. Ich hatte keine da und habe deshalb einfach Schmierpapier in A4 aneinandergeklebt. Sieht nicht so schön aus, erfüllt aber denselben Zweck. ;)
Also zuerst dann das 2,30 lange Stück: Ich habe mir erstmal so ein langes Stück Papier zusammengeklebt und das dann in der Mitte gefaltet, da der Tragegurt ja am Ende symmetrisch sein soll. Außerdem verarbeitet sich die Sache so besser, denn wer hat schon einen 2,30m langen Tisch? ;)
Wenn man dieses nun nur noch 1,15m lange, zweilagige Stück Papier hat, misst man in der Mitte an der Falzsstelle die Breite der Tasche ab, also 16cm. Oben am Rand misst man dann 8cm ab. Beides am besten von der Mitte des Blattes aus gesehen, dann kann man sich nämlich nun von den beiden abgemessenen Punkten her eine Falz machen und an der Faltlinie den Papierrest abschneiden. Schon ist der erste Teil des Schnittmusters fertig.
Der zweite Teil ist wohl noch schneller geschafft, da ich eine Faulenversion gebaut habe. ;)
Auf zwei zusammengeklebten Blättern habe ich mir ein 30cm x 37cm großes Stück aufgemalt und ausgeschnitten. Das ist dann die Größe der Seitenwände.
Dann habe ich das Stück einmal längs bei 16cm gefaltet und mir eine Erinnerungslinie gemalt (sodass ich dann ein 37cm x 16cm Stück hatte), dann hatte ich die Größe des Bodens.
Für die Innentasche habe ich mir nochmal ein 26cm breites Stück gefaltet und gemalt, da ich nicht wollte, dass die Unterteilung der Innentasche bis oben geht (das sich ergebende Stück war also 26cm x 37cm groß). Für die zweite, kleinere Innentasche dann noch ein 10cm großes Stück (d.h. ich komme auf 10cm x 37cm) und das Schnittmuster ist erledigt. :)

Um eine Ahnung vom Aufbau zu geben hier noch einmal meine Skizze, auf der ich versucht habe, mir aufzukritzeln, was ich will und was ich dazu brauche:

Man sieht hier auch die beiden Unterteilungen für die Kleinkramtasche und die anderen beiden “Abteilungen” der Tasche.

Schritt 2: Stoff zuschneiden.
WICHTIG! Nahtzugabe beachten! Überall rundherum einen Rand lassen, den Stoff also etwas größer zuschneiden, als das Schnittmuster groß ist, da man zum Nähen und ggf zum Umschlagen noch etwas braucht. Ich habe ca. 1 cm gelassen, außer an den Stellen, die ich extra markiere.
Am einfachsten geht das mit dem Zuschneiden wohl, wenn man das Schnittmuster mit Stecknadeln auf den Stoff pinnt (von links!), sich dann mit dem Gelbstift (oder so) die Umrisse zeichnet und es dann ausschneidet. Dazu ist ein Rollschneider genial!
Man braucht die verschiedenen Teile unterschiedlich oft:
Das Stück mit dem Tragegurt braucht man einmal aus dem Außenstoff, dabei sollte die Nahtzugabe (vor allem an den beiden schmaleren Enden) etwas größer ausfallen, da der Gurt noch gepolstert wird und dazu noch etwas umgeschlagen werden muss. Ich war sehr großzügig an der Stelle und habe ca. 5 cm gelassen. Die Unterseite des Tragegurtes kann man aus Futterstoff machen, wenn dieser nicht zu empfindlich ist, ansonsten eben auch Außenstoff.

Die beiden Teile von A, die die Außenseiten bilden sollen, könnten auch 32 cm hoch sein, was vor allem für Leute mit wenig Näherfahrung (wie mich *g*) praktisch ist, dazu aber später.

Dazu kann ich noch eine Faulenversion anbieten: bei b und c ist es so, dass man ja die Innenwand von beiden Seiten mit Futterstoff bezieht, man könnte also auch Vorder- und Rückseite zusammen zuschneiden, sodass sich dann für b) ein Stück von 52cm x 37cm ergibt, für c) dementsprechend 20cm x 37cm.

Für jede der Wände habe ich aus jedem der beiden Vlieseline-Stoffe noch ein “Innenleben” geschnitten, hier aber ohne Nahtzugabe. Der Gurt sollte stabiler sein, also hat er von mir noch zusätzlich ein Futter aus einem durchgehenden sehr festen, stabilen und mehrfach gefalteten Baumwollstoff bekommen, da gibt es aber bestimmt professionellere Lösungen…

Schritt 3: Nähen
Genau genommen näht man erst alle Innentaschen für sich und dann diese zusammen, etwa so:

Am Schluss ist es ratsam, die einzelnen Bodenteile (also G, H und I) unten mit einigen Stichen aneinanderzunähen, sodass die drei Innentaschen schön stabil zusammenhalten und eine Form ergeben. Dann zeigt sich nämlich auch, dass diese drei Teile auf den Boden des Tragegurt-Teils passen. Dieser ist etwas breiter, damit die Teile mit Futter etc. auch schön draufpassen.
Schließlich fehlen ganz außen noch die beiden A-Teile aus dem Außenstoff, diese also außen draufnähen, allerdings erstmal nur die obere Kante. Wenn man dieses Stück etwas breiter gemacht hat, kann man nun eine optisch schönere Lösung basteln, indem man einen Zentimeter einmal umschlägt und ihn dann über die Kante der Innentasche legt, um es festzunähen. So kann man kaschieren, dass man keine besonders schönen Kanten machen kann. :)

Nun fehlt noch der Tragegurt. Dazu die einzelnen dafür ausgeschnittenen Teile (von außen) mit Stecknadeln zusammenheften, sodass sie bündig und passend aufeinander liegen, und zwar in dieser Reihenfolge:
Außenstoff (schöne Seite mit Stecknadeln drin nach unten)
Vlieseline
stabiler Innenstoff
Futterstoff
Nun den Außenstoff so umschlagen, dass er einen schönen, glatten Rand über dem Futterstoff bildet. Sollte möglichst gleichmäßig sein, was mir nicht ganz geglückt ist… ;) Das dann schön von außen mit Stecknadeln zusammenstecken. Ich kann nur dazu raten, nicht zu sparsam mit den Nadeln umzugehen, sonst muss man es nämlich nochmal machen. Wenn man nicht so viele Stecknadeln hat, kann man es auch mit einem kontrastierenden Faden erstmal locker festreihen, um es zu fixieren.
Nun wird die Tasche von unten her zusammengenäht.
Dazu am besten mit dem Stift die Mitte des Tragegurtes und der zusammengesetzten Taschenteile markieren, um diese dann aufeinanderzulegen. Wer mag, kann unten in den Boden jetzt noch ein passendes Kartonteil legen, war mir aber zu riskant, weil ich nie weiß, ob mir nicht doch mal was ausläuft in der Tasche. ;)
Ich wollte, dass meine Tasche stehen kann, daher habe ich unten am Boden eine nicht unbedingt schöne, aber feste, dicke Wulstnaht gemacht. Dazu habe ich versucht, alle Bodenteile in die großzügige Nahtzugabe (die Stecknadeln dabei Stückweise herausnehmen, damit nichts verrutscht) des Tragegurtes einzuschlagen und dann durch alle Lagen zu nähen. War anstrengend, hat sich aber gelohnt, weil es eine sehr stabile Naht geworden ist, die es auch verzeiht, dass ich mal schwerere Sachen wie Bücher oder Laptop in der Tasche herumtrage.
Wenn beide Bodenteile fest sind, kann man sich vom Boden an nach oben “hocharbeiten” und Stück für Stück die Taschenteile mit dem Tragegurt verbinden, bis die Tasche zu Ende ist und nur noch der Tragegurt übrig ist. Ich habe dazu einen Stich verwendet, den man von außen nicht sieht, weil ich nur unten eine Wulstnaht wollte.
Dann kann man den Tragegurt fertig machen. Dazu muss man ihn nun oben verbinden, indem man die Teile mit den schmalen Enden sozusagen “inenanderschiebt”. Ich habe, um mehr Stabilität zu bekommen, zuerst die Füllstoffe alle oben an der Kante mehrfach zusammengenäht, dann den Außenstoff drumherum geschlagen und dann die Kanten überall geschlossen.

Zum Schluss muss man noch mit jeweils einer kleinen Naht von innen die Seitenstreifen der Innentaschen am Füllmaterial des Tragegurtes festnähen. Wenn man mag, kann man auch noch die Unterseiten der Innentaschen mit einigen Stichen an der Randnaht befestigen, damit hier auch nichts verrutscht.

Ich habe mir oben einen Reisverschluss eingenäht und dazu ein improvisiertes Oberteil aus glattem Stoff gemacht. Dessen Länge ist dann auch 37cm, die Breite kann aber variieren, je nachdem, wie breit an der Stelle der Tragegurt noch ist, daher gebe ich dazu keine Maße an.

Damit die Tasche so aussieht wie meine, muss man dann noch Buttons, Aufkleber und Aufnäher sowie allerlei “Gebamsel” sammeln und aufnähen, -stecken oder einfach dranhängen. ;)

Wenn ich nicht peinlicherweise einen Schritt vergessen habe, sollte nun die Tasche fertig zur Benutzung sein!
Sollten Fragen auftauchen, bitte einfach eine Mail schreiben, ich versuche dann, zu helfen, sofern ich kann. Und natürlich wie immer meine Bitte: Sollte das hier wirklich jemand nachnähen, bittebittebitte gebt mir Rückmeldung und/oder schickt mir Fotos!

10 Nov

Vicy

Noch nie ist mir ein Artikel so schwer gefallen… es war auch noch nie einer so persönlich.

Wenn man einen alten Hund hat, weiß man, dass dieser Tag einmal kommt… wenn es dann so weit ist, kommt es trotzdem unerwartet.

Vicy war über 14 Jahre an meiner Seite, in glücklichen Zeiten und auch in schweren – mehr als mein halbes Leben.
Ich war 13, als ich sie bekam und dieses kleine Fellbündel war so winzig, dass sie aufrecht unter meinem Bett herumlaufen konnte. Von Anfang an war ihre Zunge ein kleines Stückchen zu lang für ihr Maul und guckte ein wenig heraus.
Sie hat so vieles miterlebt, sie ist mit uns Schwalbe gefahren, hat mein Abitur mitbekommen und mehrere Umzüge, das Studentenleben. Sie hatte sich sogar die studentischen Schlafgewohnheiten angewöhnt, ging oft nochmal ins Bett, wenn wir zur Uni mussten. Immer war sie dabei, war der LAN-Hund, hat so viele Studentenbuden von innen gesehen, war überall gern gesehen und machte mit uns Urlaub am Meer. Sie hat schnarchend erst in und dann neben unserem Bett geschlafen, weil sie im Schlaf seltsamerweise immer breiter wurde. Generationen von Pudelwelpen haben versucht, mit ihr zu spielen – sie war “not amused”. Sie hat “mit mir” geheiratet und sie war da, als ich mit meinem Baby aus dem Krankenhaus kam, um den seltsamen Welpen vorsichtig zu beschnuppern. Als Baby dann anfing, selbst zu essen, hatte sie sehr schnell gelernt, dass der Platz unter dem Hochstuhl der praktischste ist, und Baby musste lernen, dass das Essen, das er Vicy anbietet, verdammt schnell weg ist. Zum Schluss war sie taub, doch bis zuletzt rannte sie fröhlich mit uns über die Wiese, buddelte nach Mäusen und freute sich ihres Lebens. Ihre größte Sorge war es immer, zu verhungern und sie litt ihr ganzes Leben lang an chronischer Selbstüberschätzung, hielt sich für einen sehr großen Hund. Ihre Vorliebe für stinkende Haufen war nicht immer angenehm – die Reste in ihrem Fell auch nicht. Sie mochte es, geföhnt zu werden und sie wollte immer dabei sein. Auf dem Sofa zwängte sie sich am liebsten in die engste Ritze, war verschmust, hat gern auf meinem Schoß geschlafen, wenn ich am Schreibtisch gearbeitet habe.

Heute morgen haben wir sie beerdigt, in ihrem Körbchen und mit einem Leckerchen.
Sie fehlt mir jetzt schon.

09 Nov

Ode an den Kaffee

Oh du mein schwarzer Bohnensaft!
aus dir beziehe ich die Kraft
zu leben, streben immer dar
das klingt jetzt doof, ist aber wahr.

Ich trinke dich, ob kalt, ob heiß
denn du bist ja, wie jeder weiß
zu haben in so mancher Form
du stärkst die Lebenskraft enorm.

Mit Zucker, Milch oder auch pur
Kaffee, du edle Frohnatur!
Dir bring ich diese Ode dar
ich find’ dich einfach wunderbar!

(Ich weiß, das Versmaß holpert an manchen Stellen, aber mein letzter Kaffee ist auch schon mehrere Stunden her!)