25 Jul

Das Jahr 2015 – NaBloPoMo #24

(Heute habe ich mehr Lust auf das Thema von gestern, zu dem mir gestern gar nichts einfiel, heute aber schon.)

Museal 
Im Jahr 2115 wirst du von einem Museum gefragt, ob du die Einführung zu einem Katalog über Leben & Kultur im Jahr 2015 schreiben möchtest. Was schreibst du?

Das Jahr 2015

Die Menschen im Jahr 2015 zeichnen sich wohl hauptsächlich durch eines aus: Eine Meinung. Jeder Bürger hat eine und es ist en vogue, diese lauthals und gern auch mittels Plakaten oder in dem damals noch recht jungen Medium Internet kundzutun.
Dabei ist es nicht in erster Linie relevant, ob mit dieser Meinung etwas Sinnvolles zu einem öffentlichen Diskurs beigetragen wird – hierbei geht es vielmehr um Selbstdarstellung und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Die geführten Debatten sind manchmal sehr widersprüchlich und betreffen teilweise aktuelle politische Themen wie die damals hochbrisante Flüchtlingsproblematik oder Transatlantische Freihandelsabkommen, das zu dieser Zeit in die Wege geleitet wurde und wie wir heute wissen ganz und gar nicht die versprochenen positiven Auswirkungen hatte.

Öffentlich diskutiert werden aber auch als privat bezeichnete aber dennoch politische Inhalte wie das, was rückblickend als “Hebammenkrise” oder “Mütterstreik” in die Geschichtsbücher eingehen wird, oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bei letzterem ist zu bedenken, dass 2015 die traditionelle strikte Trennung zwischen Beruf und Privatleben gerade erst begann, lockerer zu werden, was natürlich zunächst Sorgen auslöste: Würden in der Zukunft alle immer arbeiten, die Menschen ausgebeutet und das Privatleben komplett vernichtet werden?
Was aus heutiger Sicht etwas lächerlich erscheint, wirkte 2015 noch völlig plausibel und löste großes Unbehagen aus.

Unbehagen kann ebenfalls als ein Wort der Zeit um 2015 bezeichnet werden.
Ausgelöst werden konnte das Unbehagen durch Homosexuelle, durch das Internet, durch smoothietrinkende Mütter, die bereits erwähnten Flüchtlinge, männliche Erzieher… oder ganz allgemein durch Neues.

Da dieser Artikel die Verbesserungen, die seit 2015 stattgefunden haben, hervorheben soll, werden nun drei subjektiv ausgewählte Beispiele näher ausgeführt, die zeigen soll, dass bei aller Fortschrittlichkeit, die die Menschen 2015 empfanden, doch immer noch eher altmodisch anmutendes Gedankengut in den Köpfen festsaß.

Das Internet

Das kommerzielle Internet ist 2015 noch keine 30 Jahre alt und das zeigt sich auch deutlich im Umgang mit dem sogenannten “neuen Medium”.
Das IntG (Informationstechnisches Grundgesetz) beispielsweise lag zu dieser Zeit noch gar nicht vor, was dazu führte, dass einige unter denen, die ihre Meinung kundtaten, das Internet als “rechtsfreien Raum” bezeichneten. Es wurde als gefährlich, als Neuland oder Tummelplatz für Verbrecher aller Art gebranntmarkt, wusste doch ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung noch gar nicht, was genau es eigentlich ist, das Internet.
Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass auch DGB (Digitale Grundbildung) erst sehr viel später als verpflichtendes Schulfach eingeführt wurde.

2015 jedenfalls waren es hauptsächlich jüngere Menschen, die das Internet auf eine Art benutzen, die annähernd vergleichbar mit unserer heutigen alltäglichen Selbstverständlichkeit ist.

An den entsprechenden Gesetzen allerdings arbeiteten Menschen, die zum Großteil beim besten Willen nicht mehr als jung bezeichnet werden konnten, und hier liegt das Problem begründet, das die Formulierung des IntG in den Folgejahren deutlich verzögern und komplizieren sollte. Es musste zunächst eine neue, jüngere und mit dem “neuen Medium” aufgewachsene Generation an Politikern heranwachsen.

Ähnlich wie bei der Einführung von gedruckten Zeitungen oder der Eisenbahn gab es laute Stimmen, die riefen, das Internet gefährde den Menschen elementar und könne sogar krank machen.
Es war eben noch kein Gleichgewicht gefunden und der Blick dafür, dass sich alle gesellschaftlichen Neuigkeiten zunächst einpendeln und in die Strukturen integrieren müsse, war 2015 noch nicht geschärft.

Die Politik

Politik war 2015 noch beinahe ungebrochene Domäne der alten Herren. Zwar gab es immer wieder erfolgreiche Frauen – immerhin herrschte in diesem Jahr die erste deutsche Kanzlerin! – doch wurden diese gern zu den “Frauenthemen” wie Kinder, Senioren und Soziales geschoben und außerhalb dieser nicht unbedingt ernst genommen. Der Fokus auf ihr Äußeres war paradoxerweise selbst bei diesen wenigen einflussreichen Frauen noch sehr stark.

Dass auch junge Menschen politisch aktiv waren, wie es mit unseren heutigen Methoden selbstverständlich ist, war damals eher eine Seltenheit und traurigerweise hatten 2015 wohl die meisten jungen Leute noch immer das Gefühl, nichts bewirken zu können.

Stattdessen gab es sogenannte Lobbyisten, die eine bestimmte Firma oder Interessensgruppe vertraten und vollkommen ungehindert von Ethik und Grundgesetz ihren Einfluss bei den Politikern geltend machen konnten, um zum Teil gegen energischen Widerstand der Bevölkerung absurde Gesetze zu verabschieden.

Formen der Bevölkerungsbeteiligung, die unseren heutigen ähneln, lagen noch in den Grundzügen. Diejenigen, die sich diese zu Nutzen machten, wurden gern als “Wutbürger” bezeichnet, die nicht wirklich etwas tun und einfach nur Knöpfe klicken möchten.

Es wird klar: Das Verständnis für ganz alltägliche Probleme und Vorgänge im Leben normaler Menschen war in der Politik 2015 quasi nicht gegeben, stattdessen lebten Politiker abgeschirmt in ihrer eigenen, finanziell völlig sorglosen Welt.

Die Hebammenkrise/der Mütterstreik

Die Auswirkungen dieser Krise sollten erst viel später wirklich klar werden, doch mit den Gesetzesänderungen 2015 wurde dieser Krise der Weg bereitet.
Was aus heutiger Sicht sonnenklar ist, nämlich der Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden junger Mütter und der Unterstützung für Menschen mit Kindern auf der einen und der Anzahl der geborenen Kinder auf der anderen Seite war 2015 noch nicht erkannt.

Anstatt ganz vorn anzusetzen und die Betreuung in der Schwangerschaft und eine sichere Geburt als oberste Priorität in der Familienpolitik anzusehen war 2015 noch geprägt von mehreren halbherzigen Versuchen, mit verklausulierten und schwer verständlichen, sich permanent ändernden finanziellen Anreizen Menschen, die die schwere Entscheidung für Kinder bereits gefällt hatten, Zuschüsse zuzuteilen.
Da es 2015 tatsächlich noch ein beruflicher Nachteil war, Kinder zu haben, um die sich gekümmert werden musste, konnten diese familienpolitischen Irrläufer nicht den erwünschten Erfolg haben.

Hinzu kommt, dass es 2015 noch relevant war, welches Geschlecht die Menschen, die sich ein Kind wünschen, haben. Üblicherweise waren es damals ein Mann und eine Frau, die mehrere Kinder gemeinsam großzogen und zudem eine Beziehung zueinander hatten oder eine Frau, die mit ihren Kindern allein lebte.
Alternativmodelle, wie sie heute niemanden mehr aufregen, wurden 2015 noch kritisch beäugt und unter dem Deckmantel des Kindeswohls zum Teil tatsächlich verboten.

Der Mütterstreik, von dem heute jedes Kind im Geschichtsunterricht lernt, steht den Menschen von 2015 noch bevor, sodass anstelle von allumfassender Unterstützung des Kinders an sich in der Gesellschaft eher eine kinderfeindliche Stimmung herrscht.
Tatsächlich war es in den Jahren um 2015 möglich, dass die sogenannten “Kindertagesstätten” aus ihren Räumlichkeiten geklagt wurden, weil die Anwohner sich gestört fühlten – hier wird klar: Noch ist Kinderlachen nicht zu dem raren Gut geworden, das es in den folgenden Jahren werden soll.

Doch auch die Mütter untereinander sind sich bei Weitem noch nicht so einig, wie sie es in der historischen Zeit des Mütterstreiks sein werden. Stattdessen bestanden 2015 noch Fronten von “Vollzeitmamas” auf der anderen und “Karrieremüttern” auf der anderen Seite, Beschimpfungen und Unterstellungen waren an der Tagesordnung.
Heute unvorstellbar: Es gab sogar einen Begriff, der benutzt wurde, um andersdenkenden, anders erziehenden – schlicht anders lebenden Müttern zu unterstellen, sie seien egoistisch, schlecht für ihre Kinder oder gar nicht an diesen interessiert: Rabenmutter.


 

Dieser Text entstand im Rahmen des NaBloPoMo – des National Blog Posting Month.
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18 Jul

Frauenquote – NaBloPoMo #18

Wende
Hast du schon einmal zu einem Thema komplett deine Meinung geändert? Warum?

Die Frauenquote

Ich dachte – vorher – dass die Quote unnötig ist, weil wir doch jetzt alle so modern sind und heutzutage doch sowieso jeder nach Qualifikation eingestellt wird und nicht nach Geschlecht. Und ich dachte, dass es blöd wäre, so als Frau, mit einem Job, den sie vermeintlich nur hat, weil sie eben eine Frau ist – und auch unfair den Männern gegenüber. Und außerdem: Wenn nur genug Zeit verginge, würden die Frauen schon von allein aufholen.

Dann besuchte ich eine Veranstaltung an meiner Universität, deren Titel ich vergessen habe und bei der im Rahmen einer Podiumsdiskussion Professorinnen sprachen, die ich zum Teil aus meinem Studium kannte und mochte.
Sie kamen aus verschiedenen Fachbereichen, aus der Informatik, aus verschiedenen Geistes- und Naturwissenschaften und sie sprachen darüber, wie ihre Karriere so verlaufen war, wie sie es geschafft hatten, heute Professorinnen zu sein und was sie uns jungen Frauen, die wir eine akademische Karriere anstrebten, raten konnten.

Erfahrungswerte

Aus den Erzählungen von ihren Studienzeiten wurde mir klar, dass sich schon einiges getan hat, es aber bis zur endgültigen Gleichberechtigung doch noch etwas zu tun gibt.
In diesen Lebensläufen ging es nicht nur um Können und fachliches Wissen, sondern hauptsächlich und viel mehr um Durchsetzungsvermögen, starke Nerven und gute Ellenbogen.
Für mich war das deprimierend: Ich erlebte diese Frauen als unheimlich stark und kompetent, als erfolgreiche Wissenschaftlerinnen, als Vorbilder – wenn ich auch noch nicht wusste, wohin mich mein Weg führen würde.
Wenn also diese klugen, starken Frauen in ihren Erzählungen aus ihrer Studienzeit, aber auch aus jüngeren Zeiten in Hochschulpolitik und Wissenschaft, davon berichten, dass sie blöde Sprüche und Diskriminierung erlebt hatten und wegignorieren mussten*. Dass sie ihr Können sehr viel häufiger und deutlicher beweisen mussten als männliche Kollegen und auch sehr viel mehr können mussten… Es brachte mich zum Nachdenken.

Diejenigen unter den Rednerinnen, die Kinder hatten, hatten haarsträubende Dinge zu berichten darüber, dass es zu der Verkündung, schwanger zu sein, Beileidsbekundungen oder Entsetzen anstelle von Freude und guten Wünschen geregnet hatte. Oder ganz einfach die Frage, warum sie denn ihre eigene Karriere so sabotiere.
Einige hatten sich aus solchen Gründen komplett gegen Kinder entschieden, weil ihnen frühzeitig klar gemacht worden war, dass sie im Falle einer Schwangerschaft ihre Arbeitsstelle wohl nicht behalten konnten und dann doch eher hinter den Herd gehören.

Am Schlimmsten war, dass sich diese Berichte nicht nur auf “graue Vorzeit” bezogen, denn besonders alt war keine der Rednerinnen und ihre Kinder waren zum Teil noch schulpflichtig.
Alle berichteten aber davon, das Glück (und ja, alle benutzten genau dieses Wort!) gehabt zu haben, an entscheidenden Punkten jemanden gehabt zu haben, der an ihr Potenzial glaubte und sie förderte, ihnen unter die Arme griff in schwierigen Zeiten und ihnen Kontakte vermittelte, ohne die es nicht weiter gegangen wäre.

Arbeitstiere

Ich erinnere mich nicht mehr an den Wortlaut, der bei mir hängen geblieben ist und letztendlich meinen Wandel von einer Gegnerin zu einer Befürworterin der Frauenquote ausgelöst hat, aber eine der Rednerinnen begründete ihre entschiedene Pro-Quote-Meinung damit, dass es nicht (allein) an “den Männern” liege, die boshafterweise die Frauen nicht mitspielen lassen, obwohl das auch in einigen Fällen ein Faktor war.
Sie sah die Hauptursache für die schlechteren Chancen der Frauen einfach darin, dass sehr männliche Strukturen herrschen, weil sich über Jahrzehnte etabliert hat, dass die Arbeit gefälligst oberste Priorität zu sein hat.
Und dass das eben nur funktioniere, weil in so vielen Fällen die Männer sich komplett über die Arbeit definieren und das Privatleben mit Familie und Kindern vollständig von ihren oftmals nicht berufstätigen Frauen organisieren lassen.
Das sei auch der Grund, warum viele junge Männer, die Elternzeit nehmen oder in Teilzeit arbeiten möchten, schief angeschaut werden – so gehört sich das eben nicht.

Ihre Lösung, die mir plausibel erschien: Ein Wandel kann auf diese Weise nicht erfolgen. Zwar gibt es Frauen mit Erfolgsgeschichten, aber eben selten und oft dann auch nur, weil sie sich in die Strukturen fügen, die von diesen “Arbeitstieren” dominiert werden.

Sie sagte in etwa “Eine Quote, und sei es nur für einige Jahre, wird diese Arbeitstiere zwingen, die Strukturen zumindest mal zu überdenken, denn wenn so nach und nach mehr Frauen in verantwortungsvollen Posten sitzen, werden diese hoffentlich auch die Arbeitstier-Mentalität verändern.”

Es wurde also mehr als deutlich gemacht, dass es sich bei der Diskussion um die Frauenquote nicht um ein Gegeneinander von Männern und Frauen handle, sondern einfach um einen strukturellen Wandel, von dem am Ende alle profitieren. Weil es eben so ist, dass nicht automatisch jeder Mann ein Arbeitstier ist und nicht jede Frau glücklich mit Kind und Schürze zu Hause.

Nun ist dieser Vortrag schon einige Jahre her und ich bin nicht sicher, ob der Trend wirklich zu einem Wandel führt oder nur dazu, dass Frauen auch zu Arbeitstieren werden.
Wenn ich mir aber die Klagen der Wirtschaft über die ach so schreckliche Generation Y anschaue, die tatsächlich auf Work-Life-Balance achten und um 17 Uhr Feierabend machen, um noch mit den Kindern einen Spaziergang zu machen oder sie ins Bett zu bringen (sogar die Männer – uiuiui), dann denke ich, dass der Weg vielleicht gar nicht so verkehrt ist. Und dass die Quote zu einem allmählichen Wandel beitragen kann.

Blind nach Geschlecht einstellen?

Nun ist es ja so, dass zumindest akademische Stellenausschreibungen weitestgehend schon seit Jahren mit der Floskel “Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt” enthalten, und um nichts anderes geht es ja. Es soll nicht heißen “Hey, wir suchen einen Bäcker und die Frau ist Tischlerin, aber sie ist ja eine Frau, also stellen wir sie ein und nicht die vielen männlichen Mitbewerber, die wirklich Bäcker sind.”
Es soll nur darum gehen, den Nachteil, den junge Frauen, die im Generalverdacht stehen, jederzeit schwanger werden zu können (und danach, Achtung: Kinder zu haben!!!), ein wenig auszugleichen, zu Gunsten aller.
Denn es ist ja auch nicht fair, dass aufgrund dieser wirren Stukturen die Last, Geld heranschaffen zu müssen, am Ende doch häufig überwiegend bei den Männern liegt – und das, obwohl sie ihre Kinder ins Bett bringen und kochen.

Nachtrag: Das ist nur die Geschichte meiner persönlichen Gedanken, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder statistische Genauigkeit erhebt. Es ist nur das, was ich mir aus der Perspektive als berufstätige Mutter, die mit einem berufstätigen Vater verheiratet ist, so denke.


 

*Ich sage hier an keiner Stelle, dass Männer so etwas nicht erleben. Aus einigen Berichten und Recherchen habe ich nur den Eindruck, dass Frauen, die “nach oben” streben, so etwas besonders häufig mitmachen müssen.


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16 Jul

Traumhaus – NaBloPoMo #16

Wie sähe dein Traumhaus aus, wenn du eines hast.

Das wird jetzt eine relativ langweilige Antwort, denn wenn ich überhaupt so etwas wie ein Traumhaus habe, dann ist es eindeutig das, in dem ich lebe. Ich schrieb sogar schon einmal darüber, und zwar hier.

Vielleicht schaffe ich es sogar demnächst, mal ein neueres Foto zu machen, jetzt, wo ich nicht mehr auf dem Gerüst stehe und streiche. ;)

Das Haus ist alt, mindestens 300 Jahre alt, wohl aber mehr, wenn man den Dokumenten glaubt. Wie viele alte Menschen ist auch das Haus nicht ganz einfach: Es tut nicht immer, was es soll, steht an einigen Stellen schief da und setzt extrem gern Spinnweben an, hier und da knarzt es ein wenig und manche Bereiche riechen sogar etwas eigenartig.

Aber es hat Charakter. Fast jeder der vielen Balken hat schon Generationen von Menschen gesehen und manchmal zeugen auch Inschriften, Macken und Dellen davon. Das Haus hat  diverse Kriege überstanden, hat sich auch nicht davon kleinkriegen lassen, dass es vernachlässigt und beinahe abgerissen wurde, dass es eine Weile sogar ein Schandfleck war.
Trotzig steht es immer noch hier, ganz oben auf dem Hügel und bietet unserer etwas verrückten, kreativen und vielseitigen 3-Generationen-Familie mit all dem Getier, mit vielen Besuchern, Gästen, Freunden und Verwandten ein Zuhause, ein Nest, eine Insel, die immer da ist und selbst im schlimmsten Sturm Vertrauen erweckt.

Zugegeben, es ist wohl nicht jedermanns Sache, so ein alter, knorziger, oller Kasten, aber ich find’s gut. :)


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11 Jul

Fangemeinde NaBloPoMo #11

Wovon bist du Fan? Warum? Oder warum nicht?

Bei dem Begriff “Fan” fällt mir natürlich zuerst Musik ein, doch darüber schrub ich ja gestern schon, also muss ich mir heute etwas anderes einfallen lassen.

Mein vielleicht eigenartigstes “Fantum”: Schreibwaren.
Wenn mir jemand eine Kreditkarte ohne Limit gäbe und mich damit in die Stadt schickte, würde ich den Großteil meiner Zeit in diversen Schreibwarenläden verbringen, bevor ich in Buchhandlungen ginge und ganz zum Schluss noch nach Klamotten schaute.

Mal ehrlich: Es ist doch wunderbar, all diese ordentlich aufgestapelten und sortierten Papierarten anzuschauen! Und die Notizbücher und -hefte, zum Teil kleine Kunstwerke für sich, mit dickerem, samtigem oder dünnerem, durchscheinendem Papier, in blütenweiß oder einem satten Crémeton! Die dort in Reih und Glied stehen und nur darauf warten, dass ich sie betrachte und mich nach Stunden dann für eines oder zwei (*hüstel*) entscheide!
Und die Stifte! Farblich oder nach Typ sortiert schauen sie mich an, Füllhalter, Gel- und Kugelschreiber, Filz-, Blei- und Buntstifte, Marker und Fineliner! Die verschiedenen Schreibstärken und Nuancen, die dort angeboten werden, laden doch nun wirklich zu stundenlanger Betrachtung ein!

Nun ist es zum Glück so, dass ich einfach viel von Hand schreibe. In diversen Notizbüchern und Journalen schreibe ich über unterschiedliche Themen, male und kritzle oder führe ToDo-Listen. Da lohnt es sich wunderbarerweise tatsächlich, ein Sortiment an verschiedenen Büchlein und Stiften verfügbar zu haben.

Möchte wer Inspiration, um auch ein Büchlein anzufangen? Dann mal kurz etwas über meine wichtigsten Notizbücher (neben meinem Kalender natürlich):

Das klassische Tagebuch
Hier schreibe ich im Prinzip über alles, was mir so einfällt. Dinge, die ich höre, sehe und lese, und die einen persönlichen Bezug haben, schreibe ich mitsamt ebendiesem Bezug auf. Manchmal aber auch einfach nur Sprüche meines Kindes, lustige Erlebnisse oder Sachen, die mich genervt haben – Datum drüber, weg damit.

Art Journal
In Deutschland noch gar nicht so verbreitet, aber in Amerika offenbar ein bekanntes Hobby: Man nehme ein Skizzenheft oder irgendeine Kladde und arbeite drauflos.
Meins ist ein ganz billiges A4-Notizbuch, in dem ich die Hälfte der Seiten herausreiße und dann immer 2 Seiten zusammenklebe. Ganz billig, weil dann die Hemmschwelle, einfach reinzukritzeln, malen oder kleben nicht so hoch ist und ich es auch wirklich benutze.
Ich mache also Collagen, zum Teil auch mit Fotos, hauptsächlich aber mit Zeitungsausschnitten und Alltagsgegenständen wie Verpackungen. Dazu male ich mit Acryl und Aquarell, aber auch mit Buntstiften und diversen Markern.
Hier zählt für mich auch nicht das Ergebnis, sondern einfach der Vorgang: Das Arbeiten daran beruhigt mich und baut Stress ab.

Das Kind-Mama-Buch
Ein ganz einfaches, stabiles Ringbuch, in das ich gemeinsam mit dem Sohn male, klebe und bastle. Eine gemeinsame Aktivität für regnerische Tage oder einfach so zwischendurch – das Wichtigste ist, dass wir gemeinsam darin arbeiten.
Das Lieblingsthema im Moment: Monster malen.
Das geht so: Einer beginnt mit einer Form, die meist Kopf oder Bauch wird, kann ganz normal rund sein, aber auch völlig albern. Dann fügt der andere ein Element hinzu, also Arme, Beine, Kleidung, was auch immer. So geht es abwechselnd weiter, bis ein völlig albernes Monster entstanden ist, zu dem wir uns auch immer eine Geschichte ausdenken. Zum Schluss darf der Sohn noch das Datum drauf stempeln und fertig. :)
Ein Beispiel poste ich gleich mal auf Instagram.

Mein Dissertations-Fauxdori
Midori Traveller’s Notebooks sind wunderschöne, ledergebundene Bücher mit austauschbarem Inhalt, die allerdings teuer und umständlich bestellbar und so weiter sind. Ich habe mir also etwas ähnliches selbst gemacht, daher Fauxdori (der Begriff ist nicht von mir! Gebt das mal bei Youtube ein.)
Ich nahm also ein wunderschönes, ökologisch bearbeitetes Stück Leder (von Lederkram, toller Shop, wenn auch optisch herausfordernd), besorgte mir dünnes Gummiband, piekste Löcher ins Leder und heftete 2 Jottbooks und ein Softcover-Notizbuch von Leuchtturm1917 hinein.

Warum diese Zusammenstellung? Ich bin ein vergesslicher Mensch und aufgrund diverser Umstände kann ich nicht jeden Tag an meiner Dissertation arbeiten. Daher kommen in das dickere Notizbuch immer Verweise auf das, was ich als letztes getan habe und/oder plane, als nächstes zu tun. Auch kurze Gedankenfragmente oder Aufforderungen an mich selbst (eine ToDo-Liste habe ich in meinem Kalender).
In einem der beiden dünnen Jottbooks stehen Hinweise auf Literatur: Was möchte ich beim nächsten Bibliotheksbesuch abholen? Was habe ich bestellt und warum? Denn es passierte mir immer wieder, dass ich ein Buch bestellte und beim Ankommen nach 2 Wochen nicht mehr wusste, warum um alles in der Welt ich genau DAS Buch nun hatte kommen lassen…
Das andere Jottbook ist für Treffen mit meiner Doktormutter gedacht, ich schreibe also vorher kurze Punkte, was ich fragen möchte und während des Gesprächs meine Notizen hinein. Das Heft nehme ich also heraus aus der Lederhülle, um nicht so viel mitschleppen zu müssen.

Puh, das war jetzt viel. Wenn sich wer für mehr interessiert, Bilder zu etwas sehen will oder vielleicht sogar einen ganzen Text zu einer der Sachen: Bitte gern kommentieren oder in einem der sozialen Netzwerke anschreiben! :)


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10 Jul

Ohrwurm NaBloPoMo #6

Schreibe worüber du magst & binde ein Filmzitat, Buchzitat oder eine Songzeile, die dich schon eine Weile begleitet mit ein.

Erster Gedanke: Das ist leicht.
Dann: Welches Lied? Aaaah, so viele Zitate… aahhh – auswählen – alle aufschreiben – Riesentext – aaah!

Deshalb habe ich mich entschieden, die der vielen Lieblingsliedstellen in meinem Kopf herumgeistern, die am aktuellsten ist:

So don’t take life so seriously,
play, love, have fun, leave misery be
Regrets are built in a cold dark cage
Where nothing ever happens
(Sonata Arctica – Larger Than Life)

Wer mich schon länger liest, weiß, wie sehr ich diese Band liebe. Die Stimme von Tony Kakko hat aus irgendeinem Grund eine enorm beruhigende Wirkung auf mich, sodass ich selbst dann entspannen kann, wenn er eigentlich mörderische Geschichten singt.

Aber das allein ist es natürlich nicht. Ich mag Bands immer dann gern, wenn ich das Gefühl habe, dass sie lieben was sie tun, Spaß dabei haben und nebenbei auch noch sehr nett sind. Nun kenne ich natürlich keinen dieser Menschen persönlich, aber Sachen wie das Video zu ihrem Genesis-Cover von “I Can’t Dance” vermitteln irgendwie dieses Gefühl, oder? Spaß und Blödsinn, Sachen, von denen wir alle mehr im Leben haben sollten.

Das Zitat oben habe ich deshalb ausgewählt, weil ich es so sehr, sehr wahr finde und weil es zeigt, dass diese Band neben dem ganzen Unfug und Spaß auch sehr weise sein kann.
Die Botschaft, das Leben nicht so ernst zu nehmen und zu genießen, lieber die positiven Seiten auszudehnen und über den Mist nicht so lange nachzudenken ist eine, die ich mir selbst als grüblerische Natur immer wieder hinter die Ohren schreiben muss. Das fällt natürlich leichter, wenn die Botschaft in ein absolut großartiges Lied eingebunden ist, oder? :)

Von Sonata Arctica ist übrigens auch ein Lied, das mich beinahe jedesmal, wenn ich es höre, zuverlässig zum Weinen bringt: Under Your Tree.
Dieses Lied hat den Abschied vom geliebten Hund zum Thema und immer muss ich an meinen eigenen kleinen Hund denken, der in unserem Garten unter seinem persönlichen Baum ruht. Ok, bevor es wieder so weit ist, beende ich den Text mit einem weiteren Zitat aus eben diesem Lied und suche mal eben Taschentücher.

Invested feelings in the one I would outlast
My little friend is getting tired, fading fast…
Did not want to see the signs of the dimming flame
I thought we had more time
No, I don’t want to let you go
Tonight I fear I’ll say goodbye to my little friend
Don’t want to let you go…
(Sonata Arctica – Under Your Tree)


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09 Jul

Keep out! NaBloPoMo #9

Von welcher Person hoffst du, dass sie nicht deinen Blog liest? Wieso?

Zu diesem Thema wurden mir quasi schon ganz viele Worte aus dem Mund genommen, also denke ich jetzt einen Schritt weiter darüber nach.

Heute war ich für eine längere Autofahrt mit meiner Mama unterwegs, was heutzutage nicht mehr so oft vorkommt, wo ich jetzt ja schon seit einer Weile groß bin und selbst fahre. Manchmal kommt es aber doch vor, und da sitzen wir natürlich nicht schweigend nebeneinander und schauen auf die Straße.
Also unterhielten wir uns über alles Mögliche und irgendwann auch über Menschen. Spezielle Menschen, aber dann auch über Menschen allgemein und wir waren darin einer Meinung, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, Abstand zu denjenigen zu halten, die nur Negativität ins Leben bringen. Es gibt nämlich diese Menschen, die immer gleich negative Intentionen voraussetzen bei dem, was man sagt und tut. Da wird aus “Du hast vergessen, den Müll rauszubringen.” mal schnell “Du hast den Müll nicht rausgebracht, weil du genau weißt, dass er dann anfängt zu stinken und ich ihn dann müffelnd raustragen muss, wovon mir immer schlecht wird!” oder so.

Solche Menschen hätte ich dann, glaube ich, lieber nicht als LeserIn. Weil sie nämlich das Talent haben, alles so negativ wie möglich zu interpretieren, jedes Wort in ein schlechtes Licht zu rücken – und am Ende manchmal sogar wirklich erreichen, dass eins nicht mehr weiß, wie das denn eigentlich gemeint war und ob das nicht vielleicht doch objektiv böse und verwerflich ist, was dort geschrieben steht.
Ich wünsche mir also solche LeserInnen, die selbst, wenn ich mal unglücklich formuliere oder nicht ihre Meinung niederschreibe, davon ausgehen, dass ich das NICHT böse meine, weil ich überhaupt niemals jemanden mit diesen Texten hier verletzen will.

Ich wünsche mir LeserInnen, die, wenn sie meinen Text saublöd finden, nicht ihre ganze Abneigung ungefiltert in das Kommentarfeld kotzen (Entschuldigung), sondern entweder darüber nachdenken und konstruktive Kritik daraus machen, oder einfach die Klappe halten.
Das hat auch gar nichts mit Zensur zu tun, sondern einfach mit einer gewissen Ökonomie, denn wenn wir ehrlich sind, sind solche Kotzkommentare (Entschuldigung) doch für alle Beteiligten Zeitverschwendung:
Ich werde niemals aufgrund von Anfeindungen und Unfreundlichkeiten meine Meinung ändern, da denke ich mir doch bloß, dass da ein Depp etwas kommentiert hat und lösche den Kommentar.
Der/die Depp hat also absolut gar nichts erreicht – weil ja auch außer mir keiner den Kram liest – aber Zeit investiert, die bei einem schönen Spaziergang oder einer Tasse Kaffee oder Tee besser aufgehoben gewesen wäre.

Das sind jedenfalls die Dinge, die ich lieber mag als das Lesen unfreundlicher Kommentare.


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04 Jul

Aus dem Bauch heraus – NaBloPoMo #4

Wann hast du das letzte Mal wirklich herzhaft aus dem Bauch heraus gelacht?
fragt Frau Makellosmag in Sachen NaBloPoMo heute und ich schreibe nur zwei Sätze, denn mir ist zu warm und ich will mit meinem Buch raus unter einen Baum in den Schatten:

Obwohl ich auf der einen Seite am Bett und auf der anderen am Kind festgeschwitzt grummelig leidend dalag, heute Nacht um halb 5, als gerade der Zeitungszusteller mit seinem Auto so ganz ohne Auspuff seine Runde zwanzigmal um meinen Kopf beendet hatte, musste ich lachen, als mein Kind nach einer der wenigen wunderbaren Brisen, die durch das Schlafzimmer schlichen, leise im Halbschlaf murmelte: “Mama, der Wind hat mich gerade geschmust.”
Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es das Lachen bis in den Bauch geschafft hat, denn eventuell war ich auch zu träge dazu und lachte nur so in mir drin – ob der Unfähigkeit, mich zu bewegen, aber in meiner Erinnerung lache ich. Vielleicht auch ein wenig aus Verzweiflung.


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03 Jul

Geheimnisse – NaBloPoMo #3

Der NaBloPoMo-Denkanstoß für heute ist:
Schreibe über etwas, was die meisten Menschen nicht von dir wissen oder dir nicht zutrauen würden.

Mein erster Impuls was mehr so eine Art inneres Hin- und Herwinden. Meeh, darüber will ich nicht schreiben. Aber darum geht es ja, mal einfach drauflosschreiben, irgendwas mit Komfortzone und so.

Ich glaube, die meisten Menschen, die das hier lesen, wissen nicht, wie oft ich schon kurz davor war, alles zu löschen, was hier steht. Wie oft ich es sogar schon getan habe!
Die Domain besitze ich seit… 2002 glaube ich.
Bis ich dann 2008 dieses WordPress hier installiert habe (was sich seitdem auch gewandelt hat – optisch und inhaltlich), hatte ich diverse Varianten, die ich damals noch mit iframe in html geschrieben habe, online. Dabei ging es meistens um meinen Hund und Bücher – und es war absolut stinklangweilig, weil ich ständig hin- und hergerissen war zwischen dem Wunsch, zu schreiben und der Angst, zu viel preiszugeben.

Im Prinzip ist das bis heute geblieben.
Es macht mir Spaß, zu schreiben und mir Dinge auszudenken, sodass ich sehr oft denke “Hey, darüber könntest du doch mal bloggen!” Manchmal fange ich sogar an, schreibe mir was in mein Notizbuch oder lege einen neuen Beitrag an… und dann kommen die Grübeleien, über die ich ja gestern schon schrieb.

Ist das nicht zu persönlich?
Will das überhaupt einer lesen?
Was ist, wenn das jemand falsch versteht?
Und wenn jetzt blöde Kommentare kommen?
Und wenn GAR KEINE Kommentare kommen?
Ist das sachlich richtig?
Zu sachlich?
Zu subjektiv?

Das hält mich dann oft davon ab, zu veröffentlichen und stattdessen landen die Texte in irgendwelchen Ecken. Manchmal ärgere ich mich, manchmal bin ich froh.
Meistens aber denke ich, dass ich so gern mehr schreiben würde, weil ich immer, wenn ich andere Blogs lese, das Gefühl habe, in Kontakt mit tollen Menschen zu kommen. Aber ich habe halt auch oft das Gefühl, dass mein Geschreibsel in den Weiten des Internets verpufft, weil ich gar nicht weiß, ob jemand es liest, ob es gefällt oder blöde ankommt.
Wenn ich dann ganz ehrlich zu mir bin, stelle ich fest, dass die Leute, die ich so lese, das vermutlich auch nicht wissen, wenn ich nicht gerade einen Link hier einfüge.

Noch so etwas, das ich in unregelmäßigen Abständen mache: Mir vornehmen, mehr zu kommentieren…

Ok, meine 20 Minuten sind vorbei und der Sohn muss noch eingefettet mit Sonnencreme versehen werden, bevor er planschen geht.

Bis Morgen! :)


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02 Jul

Weggabelung (NaBloPoMo#2)

Wann musstest du in der Vergangenheit eine wichtige Entscheidung treffen? Mach dir Gedanken über das andere Leben, was sich daraus hätte ergeben können.

Ganz ehrlich:  Ich hasse Entscheidungen.
Meine ausgeprägte Neigung zum Grübeln sorgt dafür, dass ich gern ALLE Eventualitäten abgeklärt hätte, bevor ich mich für etwas entscheide.  Wirklich ALLE.
Dabei ist es dann aber so, dass sie alle – also die Eventualitäten – gleichzeitig in meinem Kopf herumschwirren und mich anbrüllen, sodass logisches Denken ziemlich schwierig wird. Ich versuche, mit Listen dagegenzuarbeiten, aber es ist nun einmal leider so, dass es vollkommen unmöglich ist, wirklich ALLE Sachen, die möglicherweise durch eine Entscheidung beeinflusst geschehen könnten, durchzudenken. Das weiß ich auch, ändert aber nichts.

Bei den meisten Entscheidungen war es dann in der Vergangenheit so, dass ich so lange gegrübelt habe, bis ich vollkommen verwirrt war. Dann habe ich versucht, mir vorzustellen, wie mein Leben wäre, wenn… und dann wurde mir irgendwie klar, dass sich etwas in mir (Bauchgefühl oder so) gegen alle Varianten außer einer sträubt – die wurde es dann und im Nachhinein war das auch immer gut so.
Jetzt liegt natürlich der Gedanke nahe, dass ich mir dieses ganze Chaos und das Grübeln und die brüllenden Eventualitäten in meinem Schädel sparen könnte, wenn ich gleich auf meinen Bauch hörte – aber das funktioniert wohl nicht.
Ich glaube, all das ist nötig, damit mein Bauchgefühl letztendlich die Richtung kennt oder so… vielleicht nährt es sich aus dem Grübeln und ist sich erst danach wirklich sicher.

Bei einer Entscheidung allerdings war es anders. Gründlich anders.
Das Kind.
Schon seit einer Weile dachten wir darüber nach, dass es ja schon nett wäre, eine Familie zu gründen. Aber zuerst zu Ende studieren, dann etwas arbeiten, Geld verdienen, ein Zuhause schaffen und irgendwann dann, in ein paar Jahren, wäre der richtige Zeitpunkt. Wie man es eben so macht, eins nach dem anderen.
Dann allerdings geschah ein schrecklicher Unfall, der meinen Schwager das Leben kostete. Plötzlich saßen wir da, die ganze (Rest-)Familie in einem Haus, hilflos, verständnislos trauernd. Hielten uns aneinander fest, für eine Weile stand die Welt um uns herum still.

Dann, irgendwann, nach einiger ganzen Weile, kam langsam das Leben zurück und damit die Erkenntnis: Es könnte ja sein, dass dieses Irgendwann gar nicht eintritt. Es könnte irgendwann auch mal zu spät sein – und dann?
Warum nicht das, was man gern möchte, tun – wenn es auch nicht die “richtige” Reihenfolge ist, in der “man normalerweise” diese Dinge tut? Warum verkrampft planen und denken und überlegen – und sich dabei selbst im Weg stehen?
An diesem einen Punkt haben wir also mal weniger geplant und die Dinge mehr auf uns zukommen lassen, kein Grübeln, keine brüllenden Eventualitäten.

Jemand hat mal zu mir  gesagt, dass es überstürzt war, so zu handeln, aber wenn ich mir meinen wunderbaren Sohn anschaue, der nicht nur den (zweiten) Vornamen, sondern auch den wahnsinnigen Sturkopf von seinem Onkel hat, finde ich das nicht.
Es war genau richtig so.


Dieser Text entstand im Rahmen des NaBloPoMo – des National Blog Posting Month.
Wer mehr darüber erfahren will, klicke hier.

01 Jul

Ich mach mit beim NaBloPoMo – Tag 1

Schon seit einer Weile denke ich, dass ich ja mal wieder bloggen könnte. Und schon seit einer Weile komme ich nicht dazu.
Jetzt aber hat Frau Makellosmag den NaBloPoMo ausgerufen und da dachte ich mir: Das könnte genau die richtige Menge an Druck sein, die ich brauche, um es zu tun, ganz wirklich.
Das Schöne an der ganzen Aktion ist, dass ich mir nicht einmal Themen ausdenken muss! Wenn mir eins einfällt, kann ich das nehmen, und wenn nicht, gibt es Themen des Tages.

Heute heißt es:
“Großartig und noch großartiger – Was macht einen großartigen Blog aus? Was bringt dich dazu, einem Blog zu folgen oder einen Post zu ‘liken’?”

Was ist denn ein großartiger Blog?
Ein großartiger Blog macht mir Spaß, regt mich zum Nachdenken an oder liefert mir Dinge, die meinen Tag schöner machen. Dabei muss das, was dort steht, gar nicht immer meiner Meinung entsprechen – Horizonterweiterung ist nämlich prima und ich mag es, andere Sichtweisen zu betrachten und zu überlegen, was davon vielleicht meine Sicht der Dinge bestätigen, korrigieren oder gar revolutionieren kann.

Thematisch ist das, was ich so lese, sehr weit gestreut. Da gibt es Mamablogs, und feministische Blogs, solche, die sich mit Montessori-Pädagogik befassen, die von KünstlerInnen gemacht werden, Medienkritische, Reisejournale, Selbstmachblogs und auch solche, die einfach zu (in meinen Augen, so aus der Ferne betrachtet) tollen Menschen gehören und thematisch sehr vielseitig sind. Sicher habe ich noch ein Thema vergessen – aber das ist für mich das Schöne am Bloglesen: Die Vielseitigkeit. Ich suche mir auch Dinge, die in deutschen Medien gar nicht stattfinden (Art Journals zum Beispiel) und “Nischenthemen” heraus.
Vielleicht liegt hier auch die Gefahr, sollte jemand sein Weltbild und sein Wissen ausschließlich aus Blogs beziehen: Eins lebt schon in einer gewissen Filterbubble auf diese Weise und bekommt vom “Mainstream” nichts mit. Ob das nun so schlimm ist… Nunja.  :)

Es ist jedenfalls wunderbar, wie viele Blogs es gibt, in denen kluge Menschen ihre persönliche Weltsicht beschreiben und ich staune immer wieder, WIE gut das ist, was ich da finde. (Im Gegensatz dazu staune ich auch über die Qualität des “Qualitätsjournalismus”, aber das ist ein anderes Thema)
Außerdem ist es wunderbar und inspirierend, wie viele wahnsinnig talentierte und kreative Menschen ihre Werke im Internet zeigen, Tipps geben, Anleitungen verfassen, u.ä.

Das Schönste ist aber: Ich brauche gar nicht furchtbar viel Zeit (die ich ja ohnehin nicht habe) zu investieren! Dank meines Smartphones kann ich immer mal wieder etwas lesen – beim Frühstück anstelle der Zeitung (ich sagte bereits, die enttäuscht mich immer öfter…), zwischendurch beim Warten auf den Bus, das Kind oder Godot oder Abends auf dem Sofa – ganz gemütlich habe ich all diese klugen, kreativen und/oder witzigen Menschen (auf platzsparende Weise) dabei.
Super, oder?

Hier also noch einige Leseempfehlungen (da ich ja mein Monatsmofa sträflich vernachlässigt habe):
Makellosmag habe ich schon, lohnt aber immer wieder.
Journelle – kann ich gar nicht oft genug sagen
Herzdamengeschichten – Buddenbohm und Söhne bloggen hier, ab und zu backt die Herzdame im schicken Kleid. (Bei mir immer wieder der Verdacht, mein Sohn vertrüge sich großartig mit Sohn 2)
Mama arbeitet – Sie hat sich neulich die Petition gegen die Bundesjugendspiele ausgedacht und wird dafür geliebt und gehasst.
Bildblog – ganz klassisch
Topfvollgold – erschreckend, zum Lachen und zum Weinen zugleich
kitchencat – Liebevoll und selbstgemacht :)
Eltern vom Mars – ein sehr liebevoller Montessoribezogener Blog mit vielen schönen und vor allem alltagstauglichen Ideen

Ich höre jetzt auf, sonst wird die Liste zu lang. Sollte sich aber jemand für eines meiner aufgezählten Themen brennnnnnnend interessieren, beantworte ich natürlich gern Fragen.

13 Sep

Spot

15 Jahre sind ja schon ein stolzes Alter für eine Katze, die mit großer Begeisterung einen Großteil ihres Lebens draußen verbrachte – was es für uns nicht wirklich leichter macht.

Mit Spot ging für mich auch ein Stück Erinnerung an Vicy, denn die Beiden waren trotz ihrer sehr gegensätzlichen Charaktere Freunde, hätten das aber NIEEEEMALS zugegeben, auf keinen Fall! In unserer Studentenbude konnte es passieren, dass die Beiden Rücken an Rücken auf dem Sofa schliefen, solange keiner guckte.

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Spot hat ihr Leben lang immer so getan (und auch so geschaut), als könne sie uns nicht leiden, als seien Menschen im Allgemeinen ihr sehr zuwider, doch kaum öffnete sich unser Fenster – schwupps, war sie da, saß schnurrend auf der Fensterbank und beobachtete alles. Beim Arbeiten am Computer war es oft nicht wirklich möglich, den Monitor zu sehen, weil die Sicht von einem fluffigen schwarz-orangenen Etwas versperrt wurde, das, wenn man nicht aufpasste, auch gern mal die Gelegenheit nutzte, um einem an der Nase zu schlecken (riecht komisch). Sie war sehr, sehr fluffig und haarte kaum, sabberte aber gelegentlich im Schlaf.
Während meiner Schwangerschaft schlief Spotti immer besonders gern auf meinem Bauch, und da sie permanent geschnurrt hat (sie hörte wirklich nur im tiefsten Tiefschlaf damit auf!), hat das Baby so schon früh Tierkontakt gehabt. Überhaupt war sie mit Kindern sehr geduldig, hat niemals gekratzt oder gebissen und auch die ungestümsten Liebesbekundungen über sich ergehen lassen – schnurrend natürlich. Bei ihrem letzten Tierarztbesuch hat die Tierärztin alle Register gezogen, sogar versucht, Spot zu erschrecken, um das Schnurren zu stoppen. Erfolglos.

In ihren letzten Lebenswochen war Herrchen eine Woche im Urlaub und Spot hat es sich (gemeinsam mit Hotte, dem Hasen, den mein Sohn mir ins Bett gesetzt hat) zur Aufgabe gemacht, mir Nachts Gesellschaft zu leisten:
katzehase

Nun liegt sie in unserem “tierischen Friedwald” unter einem kleinen Baum, in der Reihe neben Jerry, Laika, Vicy und Shadow.
Sie fehlt mir. Niemand kommt angerannt, wenn ich die Ponies reinhole, niemand sitzt mit einer Maus im Maul dumpf, aber stolz maunzend draußen und will rein, niemand sitzt auf dem Dach und beobachtet uns, während wir auf der Veranda sitzen. In der ersten Nacht ohne sie schlief ich vorsichtig um den Fleck auf meiner Bettdecke herum, auf dem sie immer gelegen hat, denn ab und zu beschwerte sie sich schon, wenn ich zu unruhig schlief. Bei kratzenden Geräuschen am Fenster werde ich wohl auch noch eine Weile hinschauen und den Impuls, aufzuspringen und das Fenster aufzumachen, unterdrücken müssen.

Wenn man Tiere hat, gehört der Abschied irgendwie von Beginn an dazu, doch man mag gar nicht daran denken, solange man sein Pelztier noch im Arm hält, es noch bellt, schnurrt oder was es eben so tut, und das ist wohl auch gut so. Es nutzt nämlich gar nichts, sich theoretisch klar zu machen, dass Hund und Katze nun einmal nicht so lange leben wie Menschen – wenn man sie dann gehen lassen muss, ist es trotzdem Mist.

07 Jul

Abendroutine

“Ponieeeeees!”

Betont laut klappere ich mit der Tür zum Auslauf, bevor ich sie hinter mir schließe und zwischen den Bäumen hindurch ins Halbdunkel der Weide schaue – ich sehe sie alle beide. Zur Sicherheit rufe ich noch einmal – mit dem Kopf im Gras hört man ja vielleicht nicht so gut.

Tommy hebt zuerst den Kopf und schaut in meine Richtung. Keine Ahnung, ob er mich sehen kann, doch zur Sicherheit ziehe ich die Möhre aus der Tasche und wedle damit ein wenig. Noch ein Maul voll Gras, dann setzt er sich in Bewegung, schlurft langsam auf den schmalen Durchgang zwischen Bäumen und Zäunen zu. Hugo rührt sich nicht, nur seine Ohren verraten, dass er mich sehr wohl gehört hat. Er sieht nur noch keine Notwendigkeit, das Fressen einzustellen.

Erst, als Tommy den schmalen Durchgang mit dem Tor zum Auslauf beinahe erreicht hat, reißt Hugo den Kopf ruckartig hoch, dreht sich um und – rast los. Mit dem eleganten, gestreckten Galopp eines vollgefressenen 75cm-Ponies überholt er Tommy, brettert förmlich durch das Tor, kommt mit wehender Mähne auf mich zu und stemmt dann abrupt alle vier Hufe in den Boden, um exakt vor mir zum Stehen zu kommen und erwartungsvoll die Nase zu heben.

Wie jeden Abend muss ich lachen über den kleinen Clown und seine Abendroutine, und wie jeden Abend breche ich die Möhre durch, gebe dem “kleinen Dicken” seine Hälfte und warte, bis Tommy mich in seinem gemächlichen Tempo erreicht hat, um sein Möhrenstück entgegenzunehmen.

Während ich das Tor zumachen gehe, knuspert und knurpst es hinter mir, beide schmatzen genüsslich und tauschen dann die Plätze um nachzuschauen, ob der jeweils andere nicht vielleicht einen Krümel vergessen hat. (Mal ehrlich – wie wahrscheinlich ist das?)

Beiden kraule ich noch kurz die Nase und sage ihnen gute Nacht, bevor ich das Licht am Stall ausmache und auf das Haus zugehe, begleitet vom Schnauben und Schnobern der Ponies, die den Auslauf nach heruntergefallenen Blättern oder zwischenzeitlich gewachsenen Grashälmchen absuchen.

02 Mrz

Monatsmofa im Februar 2014

Etwas nur zum Spaß: Haunt the House. Man spielt einen kleinen Geist und muss alle Leute aus dem Haus gruseln. Aber vorsichtig!

Spaßig geht es weiter, diesmal mit einem Youtube-Video von einer Künstlerin, der ich schon länger und mit Begeisterung zuschaue: MaryDoodles. Aber dieses Video hat mich schlichtweg begeistert und ich hätte sehr, sehr gern das Bild, das sie gemalt hat, an meiner Wand hängen. ;) Schaut es euch an.

Interessant fand ich diesen Artikel, der zeigt, was Familien auf der ganzen Welt in einer Woche verspeisen. Scheinbar leben die Menschen umso ungesünder, je mehr Geld sie zur Verfügung haben, es kommen dann immer mehr Fertiggerichte und Süßigkeiten und Getränke.

Mir ist wieder einmal eine Seite begegnet, die ich vor längerer Zeit entdeckt habe: Fuchskind.de Hier gibt es Webcomics, die zum Teil das Leben mit dem Asperger Syndrom thematisieren und mich hat vor allem die Graphic Novel “Schattenspringer” begeistert (erscheint demnächst als Buch!). Irgendwie habe ich mich (auch berufsbedingt) schon das eine oder andere mal mit Autismus befasst, doch eine “Innensicht” wie man sie beim Fuchskind bekommt, war für mich neu. Außerdem habe ich beschämt festgestellt, dass auch bei mir einige dämliche Vorurteile und Pauschalaussagen über “die Autisten” im Kopf feststeckten, die ich mir dringend abgewöhnen muss.

Nun hatte ich mir ja vorgenommen, meine Zahlen zur Kommentar-Challenge jedes mal mit ins Monatsmofa zu packen, doch wie man an der spärlichen Zahl an Dingen, die ich insgesamt gesammelt habe, sehen kann, war ich nicht besonders aktiv.
Der Februar ist für mich alljährlich ein absolut dämlicher Monat, weil der Winter noch andauert und der Monat so eigenartig kurz ist – ich bin also meistens nicht besonders guter Stimmung. Obwohl von Winter dieses Jahr keine Rede sein kann, denn wir hatten ja mehr Aprilwetter mit gelegentlichem Schneefall, war es dieses Jahr wieder so und ich war grantig bis grummelig, also absolut nicht in Kommentier-Stimmung. Dementsprechend bin ich wieder nicht über die 20 hinausgekommen und ich nehme es mir jetzt wirklich für den März vor: Mindestens 20 Kommentare auf anderen Blogs hinterlassen.
Wie meine “Mitstreiter” sich so geschlagen haben, kann man übrigens in diesem Eintrag des Pal-Blogs nachlesen.

 

01 Mrz

Giraffe Marius

Mit diesem Werk hat der junge Künstler (3 Jahre, 11 Monate) einmal mehr ein gesellschaftlich sehr aktuelles Thema aufgegriffen: Giraffe Marius.
Die Geschichte des Giraffenbullen Marius, der im Zoo geschlachtet wurde, löste große Empörung in den Medien aus und führte zu Diskussionen, ob es moralisch tragbar ist, Tiere wie Giraffen zu züchten, in Zoos auszustellen oder gar zu schlachten, um sie an andere Tiere zu verfüttern.

Marius

Der auffälligste Aspekt an diesem Werk ist der Umgang mit den Materialien und die bewusste Auswahl der Wasserfarbe als Medium, das mit dem Papier verschmilzt, einen durchscheinenden Farbauftrag erlaubt und so eine gewisse Unbestimmtheit transportieren kann.

Leuchtendes Magenta bestimmt optisch zunächst die Form der Giraffe und spricht eine recht deutliche Sprache: Hier wurde aus der roten Farbfamilie eine Farbe ausgewählt, die zwar an das im Zoo vergossene Blut erinnert, jedoch hinreichend verfremdet ist, um jede Form von Klischee zu vermeiden.
Vor allem im Kopfbereich scheint die Intensität der Farbe dem Betrachter förmlich entgegenzukommen, wobei der unruhige Pinselduktus und die Kleckse und Spritzer beinahe schon schmerzhaft an das Schlachten der Giraffe erinnern.

Zu dem dominanten Magentaton kommen nun zwei weitere Farben: Ein zurückhaltendes Beige und ein leichtes Hellblau, beide mit ihren ganz eigenen Aufgaben in der ausdifferenzierten Komposition dieser Giraffe.

Der Beigeton erinnert von allen Farben am stärksten an die natürliche Farbe einer Giraffe und ermahnt den Betrachter, bei aller Symbolhaftigkeit dieses Gemäldes nicht das wirkliche Tier zu vergessen, das hinter dieser Geschichte steht und das sein Leben lassen musste. Die Frage nach dem “Warum”, nach den Gründen für die Zucht und die Schlachtung von Giraffen – vielleicht auch von allen Tieren, die heutzutage in Zoos leben – wird hier überdeutlich gestellt, auch von dem im Halsbereich befindlichen und einmal mehr unangenehm an einen Schnitt, eine Wunde erinnernden quer angebrachten Pinselstrich. Auch an anderen Stellen der Giraffe finden sich “Schnitte” und Unterbrechungen, sodass ihre Form verschwimmt und aufgelöst wird, wie sie es bei den Vorgängen im Zoo ja tatsächlich wurde.
Dass diese Elemente nun allerdings in dezentem, lasierend aufgetragenem Beige auftauchen und nicht in leuchtendem Magenta, legt an dieser Stelle ganz klar den Fokus des Gemäldes auf die Giraffe als Lebewesen und nicht auf ihren Tod.

Mit der Farbe Blau, die im Gegensatz zum Magenta nicht klecksend, sondern in einem glatten, jedoch durchscheinenden Pinselstrich augebracht wurde, wird dann aber doch noch einmal dezent das Gedenken an das Ende der Giraffe Marius aufrechterhalten. Indem nämlich ein helles “Himmelblau” gewählt wurde, das an die klassische und etwas naive Vorstellung eines “Himmels” für Tiere erinnert, wird klar, dass trotz der physischen Zerstückelung der Giraffe ihre Form einer anderen Sphäre sehr wohl erhalten geblieben sein könnte.
Hier versteckt sich eine Anspielung auf die metaphysische Frage nach dem Vorhandensein des Geistes eines Lebewesens, die an dieser Stelle dadurch, dass diese Frage hier auf ein Tier und nicht auf einen Menschen bezogen ist, noch einmal an Tragweite gewinnt.

Zusammengefasst findet sich hier ein Werk, das zartfühlend und doch eindringlich die oben genannte Diskussion aufnimmt, ohne sich dabei in Klischees zu ergehen. Während die Erinnerung an das Tier an sich aufrecht erhalten bleibt, werden die Fragen nach der moralischen Vertretbarkeit gestellt, ohne jedoch eine Antwort oder gar eine Wertung zu erhalten. Indem hier gewissermaßen das “Vorher” der blauen Giraffenform und das “Nachher” in beigefarbenen Stücken durch die erratisch aufgebrachten magentafarbenen Elemente vereint werden, kann keiner der beiden Zustände ausgeblendet werden und der betrachter wird förmlich zum Nachdenken gezwungen, wenn er sich mit dieser Giraffe auseinandersetzen möchte.